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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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Platz 1: Spielplatz „Sonnenschein“

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Die Stiftung Die Grüne Stadt hat 2009/2010 unter der Schirmherrschaft der Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner zum ersten Mal bundesweit den Wettbewerb „Grüne Spielplätze“ ausgeschrieben. Fast 70 Bewerbungen waren zum Einsendeschluss im Sommer 2010 eingegangen. Auch die Bandbreite der Absender – Städte und Gemeinden, kirchliche Träger, Initiativen und Landschaftsplaner – belegt eindrucksvoll, dass die Themen Spielen und Naturerfahrung für Kinder ein gesellschaftlich wichtiges Thema ist. Auf der Messe GaLabau in Nürnberg präsentierten sich am 17. September 2010 die stolzen Gewinner. Der Sieger und die fünf Platzierten stellten ihre Spielplatzkonzepte einzeln vor, bevor Wolfgang Reimer als Vertreter des Verbraucherschutzministeriums und Hanns-Jürgen Redeker seitens der Stiftung die Preise überreichten: Die Landschaftsarchitekten Helmut Mühlbacher und Jürgen Hilse nahmen für das Siegerkonzept „Spielplatz Sonnenschein in Freilassing“ das Preisgeld in Höhe von 10.000,- Euro in Empfang.

„Sonnenschein“ in Freilassing

Der im Auftrag der Stadt Freilassing konzipierte Natur- und Erlebnisspielplatz „Sonnenschein“ wurde im Sommer 2009 fertiggestellt. Der rund 2.400 qm große Spielplatz liegt auf einem spitz zulaufenden Grundstück. Im Südwesten der Fläche verläuft ein drei Meter hoher Lärmschutzwall entlang der Bahnstrecke Freilassing - Bad Reichenhall. Im Norden grenzt das Neubaugebiet Schlenkenstraße an. Im Osten liegen landwirtschaftliche Flächen. Hinter der Bahnlinie schließt ein dichter Fichtenwald an. Die Spielplatzfläche bietet zahlreiche Ausblicke auf die nahen Berchtesgadener Alpen. Der Wall entlang der Bahnstrecke musste aufgrund der Festsetzungen im Bebauungsplan in seiner Höhe und Länge als Lärmschutzwall für die neue Wohnsiedlung bestehen bleiben. Aus dieser Zwangslage entwickelte das Planungsbüro ein Konzept für die räumliche Grundstruktur des Geländes.
Grundidee für die Konzeption des Spielplatzes war es, auf der vorhandenen Fläche aus den räumlichen Gegebenheiten eine einzigartige Spiellandschaft zu entwickeln, die immer wieder neue Bewegungs- und Erfahrungsanreize bietet. Kreatives Spielen und Erleben der Natur mit allen Sinnen steht im Vordergrund. Eine Bürgerbeteiligung war der erste Schritt, den Spielplatz zum sozialen Treffpunkt und Herzstück der neuen Siedlung an der Schlenkenstraße werden zu lassen. Die Integration der Bürger beschränkte sich jedoch nicht nur auf den Planungsprozess. Anwohner wurden in die Realisierung mit einbezogen, wie zum Beispiel bei einer gemeinsamen Pflanz- und Malaktion. Die Kinder des Kindergartens sammelten Namensvorschläge für den neuen Spielplatz. Holzwand und Spielhaus für die Kleinkinder wurden in Zusammenarbeit mit einer Projektgruppe zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen errichtet.

Konzeptinhalte und Umsetzung

Ein wichtiger Konzeptbestandteil ist die inhaltliche und gestalterische Nachhaltigkeit der Anlage. Aktuell leben in der Schlenkenstraße überwiegend Familien mit kleinen Kindern. Das Spielangebot ist aber so konzipiert, dass es für die Kinder auch in einigen Jahren weiterhin interessant bleibt. Zudem hat sich der Spielplatz zu einem Quartierstreffpunkt für Eltern und Bewohner der Siedlung entwickelt. Außerdem hat man sich mit der Entscheidung für einen naturnahen Spielplatz bewusst darauf eingelassen, dass die räumliche und gestalterische Wirkung sich noch entwickeln kann und soll. Ein „Endzustand“ wird sich erst im Laufe der Jahre einstellen.

Desweiteren trägt die Schaffung unterschiedlicher „Spielformen“ zu dem Konzept bei. Neben dem Angebot an konkreten Spielgeräten gibt es auch Spielmöglichkeiten, die sich aus der bewegten Geländeform ergeben oder aus natürlichen Materialien bestehen. Die Nutzer werden dazu aufgefordert, sich das Gelände mit Kreativität immer wieder neu zu erschließen. Die zentrale Spielmöglichkeit stellt eine Kletterstruktur dar, die zu den Bergen hin ausgerichtet in einer sanften Biegung des Spielhügels integriert ist. Die Konstruktion aus Holzstämmen, Seilen und Netzen erfordert - je nachdem, wie hoch man hinaus will - unterschiedlich viel Mut, Geschicklichkeit und Konzentration, so dass das Gerät für alle Altersstufen eine Herausforderung darstellt. Ein weiteres Herzstück des Spielplatzes ist der Wasserspielplatz. Dem natürlichen Geländeverlauf folgend wird Wasser an einem höher gelegenen Punkt über eine Spielplatzpumpe gefördert und durchläuft auf seinem Weg bis zum Sand- und Matschplatz am Fuß des Hügels verschiedene Stationen. Hier sollen die Kinder spielerisch technische Zusammenhänge erlernen, beispielsweise beim Fördern des Wassers in einer archimedischen Spirale. Zudem wird Kommunikation und Kooperation verlangt, denn um das Wasser zu fördern, anzustauen und in der Spirale nach oben zu befördern, müssen viele Hände zusammenhelfen. Um für die Kleinsten ein ungestörtes und überschaubares Spielen zu ermöglichen, wurde ein separater Kleinkinderbereich eingerichtet, der am Rand des Spielplatzes liegt, aber fließend in die anderen Spielbereiche übergeht.
Neben den Bewegungsflächen werden auch Möglichkeiten zum Ausruhen und Verstecken angeboten. Der Gipfel des Hügels dient zum Beispiel als Sonnenplatz und Aussichtspunkt, ein Sitzplatz mit Tischen und Bänken unter Bäumen als Treffpunkt und Picknickplatz. Abschließend ist es wichtig festzuhalten, dass es im Vordergrund stand, eine für viele Altersgruppen im gleichen Maße attraktive Spiellandschaft zu entwerfen, die sich wie selbstverständlich in die Landschaft einfügt.

Sicherheit

Alle serienmäßig produzierten Spielgeräte stammen von Herstellern, deren Produkte normgerecht umgesetzt und vom TÜV zertifiziert sind. Zudem wurde die komplette Anlage, inklusive der Spielmöglichkeiten im Gelände durch den TÜV Süd geprüft und abgenommen. Da sich der Spielplatz direkt an einer Bahnlinie befindet, wurde eine komplette Einzäunung des Geländes vorgenommen. Somit soll verhindert werden, dass sich das Spielgeschehen in die Bahnzone verlagert. Mit dem Bau einer bunt bemalten Holzwand wurde neben der Zaunanlage eine weitere Abschirmung der Gleisanlage erreicht. Der städtische Jugendpfleger und die örtliche Spielplatz-Paten-Gruppe wurden in die Konzeptentwicklung mit einbezogen. Eine Anwohnerfamilie hat sich darüber hinaus bereit erklärt, im Rahmen des Spielplatz-Paten-Programms die Patenschaft für den neuen Spielplatz zu übernehmen. Wünsche und Anliegen der Anwohner werden hier gesammelt und können der Stadt als Betreiberin der Anlage direkt vermittelt werden.

Die Finanzierung erfolgte durch die Stadt Freilassing. Für Planung und Bau des Spielplatzes wurden 150.000,- Euro Bruttokosten in den Haushalt der Stadt eingestellt. Mit 146.500,00,- Euro Gesamtkosten wurde das vorgesehene Budget sogar leicht unterschritten.


TM / Mühlbacher und Hilse
Fotos: Mühlbacher und Hilse
 

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