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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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17.08.2020 - Ausgabe: 4/2020

Sanierung des Spielplatzes Studentenwiesel in Regensburg unter dem Motto „Leben wie im Alten Rom“

Von Christine Hornek (Spielplatz- und Freiflächenplanung Gartenamt der Stadt Regenburg)

Photo
©Stadt Regensburg

Da es durch die historischen Begebenheiten in der Regensburger Altstadt nur begrenzte Möglichkeiten für die Schaffung von neuem Spielraum gibt, ist der Spielplatz am Studentenwiesel ein besonders wichtiger Ort für Kinder und Familien der Innenstadt.

Er liegt eingebettet in einer historischen Parkanlage, der Ostenallee. Diese ist Bestandteil des Regensburger Alleengürtels, der ursprünglich in doppelter Baumreihe außen um die mittelalterliche Stadtmauer herumgeführt wurde. 1779 von dem Fürsten Karl Anselm von Thurn und Taxis initiiert und angelegt und später als Stiftung den Bürgern der Stadt zur Verfügung gestellt, stellt er seitdem ein nicht wegzudenkendes Erholungs- und Frischluftgrün dar. 

Auf historischen Archivbildern von 1947 ist ersichtlich, dass bereits zu dieser Zeit die Bürger den Studentenwiesel in der Ostenallee als Spielplatz nutzten, auch wenn sie sich damals nur mit einer freien, geschotterten Fläche sowie einer spärlichen Ausstattung bestehend aus Sandkasten und Parkbänken begnügen mussten. Bis heute wurde der Spielplatz mehrmals saniert, zuletzt im Jahr 1999.

So war es wichtig, die Spielgeräte nicht nur zu erneuern, sondern auch dem heutigen Zeitgeist anzupassen und, wenn möglich, zu erweitern. 

Die ca. 2.400 m² große Gesamtfläche des Spielplatzes liegt idyllisch eingebettet in einem alten Baum- und Strauchbestand, ca. 2 m tiefer, abseits des stark von Fußgängern und Radfahrern genutzten Hauptweges durch die Ostenallee. Durch den geschützten Baumbestand war der Rahmen der Sanierungsmöglichkeiten einerseits zwar stark vorgegeben, da in der Planung natürlich besonderes Augenmerk auf vorhandene Baumwurzeln gelegt werden musste, andererseits war eine sonst nur schwer zu schaffende Atmosphäre mit Licht- und Schattenräumen bereits vorhanden. Ebenso sollten die vorhandenen Mauer- und Treppenanlagen weiterhin Bestandteil der Anlage sein, sie wurden lediglich ausgebessert. Ganz besonders wurde darauf geachtet, dass die bereits in Archivbildern von 1947 erkennbare Kalksteineinfassung als Sandeinfassung erhalten bleiben konnte. Fallschutzflächen konnten an Stellen erweitert werden, an denen ein Baum abgängig bzw. das vorhandene Wegsystem verkleinert werden konnte. 

Die Stadt Regensburg legt auf die Partizipation von Kindern und Jugendlichen besonders großen Wert. So wurden bereits im Vorfeld der Sanierungsplanung die Grundschulkinder eines nahegelegenen Hortes miteinbezogen. 

Aufgrund der benachbarten Lage zu wichtigen römischen Bauwerken und Ausgrabungen in Regensburg, wie z. B. dem Porta Praetoria, wurde diese Kinderbeteiligung unter das Motto „Leben wie im Alten Rom“ gestellt.

Die Kinder lieferten Ideen und Anregungen, aus denen in mehreren Treffen mit Fachkräften aus dem Amt für kommunale Jugendarbeit und dem Gartenamt, Prioritäten festgelegt wurden. Aus allerlei bewährten Bastelmaterialien wie Pappe, Eierschachteln, Moosgummi, Papierstäbchen, usw. bauten die Kinder unter Anleitung einer Kunstpädagogin und der Spielplatzplanerin des Gartenamtes ein Modell einer Römerfestung sowie eines Römerlagers bzw. Gallierlagers. So war ihnen z.B. bei dem Bau der Festung eine Anlage mit vielen Türmen und Ebenen wichtig. Natürlich durfte auch eine Rutsche nicht fehlen. 

Für das Modell vom Römerlager dienten bereits der vorhandene Triumphbogen sowie die historische Randeinfassung als örtlich festgelegter Rahmen. Hier konnten die teilnehmenden Kinder ihrer Wünsche zu einem Römer- bzw. Gallierlager äußern und mit vielerlei Materialien räumlich in die Tat umsetzen. Festgelegt wurde im Vorfeld, dass es sich hierbei um einen Sandbereich für kleinere Kinder handeln soll. So entstand ein kleines Lager mit mehreren Häuschen, die eine Vielzahl von Versteck- und Balanciermöglichkeiten haben sollten. Diesmal konnte auch dem in vielen Kinderbeteiligungen immer wiederkehrenden Wunsch der Mädchen nach einem Pferd gerecht werden.  

 Nun war es an der Spielplatzplanerin, die Wünsche und Ideen aus den Modellen der Kinder unter den Aspekten der Spielplatzsicherheit, optisch ansprechend und vor allem mit möglichst viel Spielwert weiterzuentwickeln. In der Planung wurden die zwei möglichen Spielkombinationen mit einer Vielzahl von Spielaktivitäten und Spielabläufen ausgestattet. Ergänzt wurde das ersehnte Pferd mit einem zusätzlichen Streitwagen. Die Idee, das beliebte Rollenspiel bei Kleinkindern, ausgestattet mit einem Versammlungsort und den ebenso oft in Kinderbeteiligungen geforderten Thron, zu ermöglichen, konnte mit einem „Zenturiozelt“ samt umgebener halbkreisförmigen Sitzgruppe platzmäßig verwirklicht werden. Damit auch die ganz Kleinen auf ihre Kosten kommen können, wurden noch zwei Wipptiere in Form und Optik eines Wildschweines und eines Esels eingeplant. Der ganze Sandbereich sollte mit einem fortähnlichen Zaun mit Holzpfählen umgeben werden. 

 Diese Ausstattungsgegenstände wurden bei der Spielgeräteausschreibung, zusammen mit der im Vorfeld konzipierten Vielzahl von Spielaktivitäten und Spielabläufen der Kombinationen, genauestens beschrieben und als gefordert festgelegt. 

Darüber hinaus stand den an der Ausschreibung teilnehmenden Firmen frei, die ein oder andere Spielmöglichkeit oder optische Feinheit zu ergänzen. Die Spielanlagen sollten zur Gruppenaktivität und zum Fantasiespiel anregen. Diverse Geräteteile, Fenster und Dächer sollten farbig lasiert, übrige Geräteteile aus naturbelassenem Robinienholz sein. Als Plangrundlage in der Ausschreibung diente allerdings nur ein Lageplan, in dem die Fallbereiche und die örtlichen Gegebenheiten, wie Triumphbogen und historische Randeinfassung, dargestellt waren. 

Die Spielgerätefirmen sollten in ihrer Kreativität nicht durch einen vorgegebenen Entwurf beeinflusst werden. Bei der Bewertung der eingereichten Angebote wurde nicht nur nach Preis, sondern auch nach Optik, Spielwert und Qualität der Ausführung bewertet. Den Zuschlag mit dem meisten Punkten erhielt daraufhin die Firma ABC-Team Spielplatzgeräte GmbH aus Ransbach - Baumbach die nicht nur im Preis überzeugte, sondern auch optisch ansprechende Spielgeräte mit viel Spielwert entwarf. 

Im neu sanierten Spielplatz führt nun eine gepflasterte Römerstraße durch den bereits 1985 vom Künstler Alexander Lihl erbauten Triumphbogen.

Dahinter steht, scheinbar gerade angekommen, ein Pferd mit Streitwagen in Kindergröße. Daneben kann im „Zenturiozelt“ das Oberhaupt des Römerlagers Audienz auf seinem erhöhten Thron halten. Eine Reihe von Holzpollern zum Sitzen ist darum für das „einfache Fußvolk“ im Halbkreis platziert. 

Im anschließenden Römerlager im Sandbereich können die kleineren Kinder im Rollenspiel „leben wie im Alten Rom“. Mehrere mit Brücken voneinander getrennte Häuschen, ganz in Optik eines Gallierdorfes, mit Sitz- und Versteckmöglichkeiten, stehen dafür zur Verfügung. Ausgestattet sind diese mit einer Vielzahl von Sandspielaktivitäten wie Sandaufzug, Schütte und Sandrad, sowie vier Spielbrüstungen mit drehbarem Rundschild, Maltafel, Klangspiel und einem Abakus aus Holz. Natürlich darf bei dieser Kombination die Rutsche auch nicht fehlen. Zwei Wipptiere in Form und Optik eines Wildschweins und eines Esels vervollständigen das Bild eines Lagerlebens. Den Sandbereich umlaufend ergänzen mehrere Zaunabschnitte aus Robinienpfählen das Bild eines Römerlagers. Diese wurden aber bewusst, um die Einsichtigkeit der Spielfläche zu gewährleisten, nur abschnittsweise angebracht. 

Die große Römerfestung auf der gegenüberliegenden Seite sollte auf dem nur begrenzt zur Verfügung stehenden Raum möglichst viele Spielaktivitäten beinhalten. Unter Bäumen stehend war diese auch in der Höhe begrenzt. Drei Türme mit jeweils z.T. drei Ebenen sind nun miteinander verbunden. Als Eingang dient eine geschlossene Wehranlage mit angedeuteter Kanone und Tor mit einer Netzanlage zum Klettern dahinter. Mit Hilfe von zwei verdrehten Kletterseilen, in Ausbildung einer Leiter mit Hand- und Fußlaufseilen, können zwei Fenster, links und rechts des Tores, beklettert werden. Dadurch wird die Form einer Hängebrücke assoziativ nachgestellt. In der Ausschreibung gefordert waren ebenso eine Rutsche, sowie eine Barrenrutsche, senkrechte Kletternetze, eine Hangelstrecke mit mindestens fünf parallel gelagerten Haltegriffen, eine Seilnetzbrücke mit Tau, mehrere schräge Kletteraufstiege, eine Feuerwehrrutschstange sowie unter einem Turm eine Spieltheke. Die beauftragte Firma ABC-Team baute aus diesem Wünschen eine gefällige Anlage, die ältere Kinder in ihrer Geschicklichkeit nicht nur schult, sondern auch noch herausfordert. Mehrere Flaggen mit dem Wappen der Stadt Regensburg runden das Bild einer Römerfestung optisch ansprechend ab und setzen den Bezug zu Regensburg. Eine Drehscheibe sowie eine Doppelschaukel befinden sich in unmittelbarer Nähe. 

 Da es sich beim Spielplatz Studentenwiesel um einen der am stärksten frequentierten Spielplätze der Stadt handelt, war man sehr gemüht, ihn so schnell wie möglich zu sanieren. So konnte ab dem Zeitpunkt der Kinderbeteiligung im Januar 2019, die Planung mit Ausschreibung und Auftragsvergabe bereits im Juni 2019 abgeschlossen werden. Nach Produktion der Spielgeräte begann dann im Oktober der Bau. Bereits Anfang März 2020 wurde er dann mit allen Beteiligten von der Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer feierlich eröffnet. Obwohl hierfür keine offizielle Eröffnungsfeier angekündigt wurde, nahmen diesen Termin bereits viele Familien war, um endlich am neu sanierten Spielplatz spielen zu können. 


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(Erster Beitrag erschienen in der Playground and Landscape Ausgabe 4 / 2019).