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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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03.12.2020 - Ausgabe: 6/2020

Sicherheit und Sauberkeit sind Trumpf

von Stefan Bartho, Gruppenleiter Instandhaltungsmanagement und Außenanlagen,
STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH

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© STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH

Berlin ist bunt, lebendig, liebens- und lebenswert. In unserer Hauptstadt leisten die städtischen Wohnungsunternehmen einen erheblichen Beitrag dazu, dass die typische Berliner Mischung, für die Stadt bis weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist, langfristig erhalten bleibt. Sie tun es, indem sie Wohnungen im günstigen bis mittelpreisigen Marktsegment bauen, ankaufen und vermieten. In diesem Kontext steht bei ihnen auch das Thema Spielplätze.

Spielplätze sind schichten-, generationen- und kulturübergreifende Begegnungsstätten. Sie sind vor allem in stärker verdichteten Bereichen der Stadt, in denen es nur wenige wohnortnahe Alternativen für Aktivitäten unter freiem Himmel gibt, ein bedeutender Bestandteil der sozialen Infrastruktur und oft Ausgangspunkt und Anlaufstelle für das soziale Miteinander in den Nachbarschaften. Die STADT UND LAND, eines der mit rund 49.000 eigenen Wohnungen großen städtischen Wohnungsunternehmen, hat aktuell 387 Spielplätze mit einer Gesamtfläche von rund 50.000 Quadratmetern Spiel- und Nutzfläche in ihrem Bestand. Diese stehen nicht nur ihren Mieterinnen und Mietern zur Verfügung, sondern sind als ergänzendes Angebot zu den öffentlichen Spielplätzen, Grün- und Freiflächen der öffentlichen Hand für jedermann zugänglich. 

Jeder einzelne dieser Spielplätze wird einschließlich seines Umfeldes mit Wegen, Grünflächen, Baum- und Strauchbestand, Abfalleimern und Sitzbänken wöchentlich auf Sicherheit und Sauberkeit kontrolliert und bei Bedarf gewartet und gereinigt. Die Jahreshauptuntersuchung durch den TÜV entscheidet ähnlich wie bei Kraftfahrzeugen darüber, ob die Spielplätze noch verkehrssicher sind oder instandgesetzt werden müssen. 

Je nach Nutzungsintensität und Beschaffenheit der Spielgeräte wird ein Spielplatz durchschnittlich zehn Jahre lang genutzt, bis umfangreichere Instandsetzungsmaßnahmen nötig sind. Im Normalfall betrifft das die Erneuerung oder Anpassung der Fallschutzflächen, meist bestehend aus Sand, Kies oder Mulch, oder den Austausch von Spielgeräten. 10 bis 15 der insgesamt 387 Spielplätze der STADT UND LAND werden pro Jahr durch ein Garten- und Landschaftsarchitekturbüro umgeplant, mit dem das Unternehmen nach einem Ausschreibungsverfahren einen Rahmenvertrag abgeschlossen hat. Das erfolgt stets aufbauend auf Bestehendem, vorausschauend und rechtzeitig bevor der Spielplatz wegen mangelnder Verkehrssicherheit geschlossen werden muss. 

Um nicht am Bedarf vorbeizuplanen und sicherzustellen, dass die Spielplätze auch genutzt werden, geschieht das in Abstimmung mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Servicebüros. Diese kennen die Mieterschaft und ihre Bedürfnisse schließlich am besten. Steht die Planung, wird der Auftrag für die Realisierung je auf dem Weg des formalen Vergabeverfahrens über die Vergabeplattform des Berliner Senats an geeignete Unternehmen erteilt. Diese Handhabung erklärt auch – von außen für Anbieter von Spielplatzkonzepten und Spielgeräten nicht immer direkt ersichtlich – warum ein Unternehmen wie die STADT UND LAND keine Direkt-Käufe vornehmen oder Angebote annehmen kann, auch wenn sie sehr günstig sind.

Von der Feststellung des Handlungsbedarfs bei einem Spielplatz über die Planung und Ausschreibung bis zum Abschluss der Umbauarbeiten vergehen im Schnitt ein bis eineinhalb Jahre. Die Lieferzeiten der Spielgeräte schlagen dabei, sobald es sich um etwas aufwändigere Kombinationsgeräte handelt, die nicht vorrätig sind, sondern erst auf Bestellung angefertigt werden müssen, mit bis zu 10 Wochen zu Buche. Ziel ist es zwar, die Umbauarbeiten nicht gerade in die Ferienzeiten zu legen, aufgrund der Komplexität und der dann doch recht vielen Beteiligten gelingt das allerdings nicht immer. 

Die Instandhaltung und Instandsetzung der Spielplätze wird einem jährlichen Gesamtbetrag von 300.000 bis 400.000 Euro ausschließlich aus eigenen Mitteln bestritten und ist ein laufender Prozess bzw. eine Daueraufgabe. Die Spielplätze der STADT UND LAND sind dadurch so gut wie unterbrechungsfrei von allen nutzbar. 

Höhere Einmal-Investitionen, i.d.R. von fünfstelligen Eurobeträgen aus eigenen Mitteln, werden dann fällig, wenn im Zuge von umfassenderen Sanierungsvorhaben oder Neubauprojekten größere Umbaumaßnahmen oder neue Spielplätze realisiert werden. Ein Beispiel sind die Spielplätze in der von 2013 bis 2018 sanierten John-Locke-Siedlung in Berlin Tempelhof. Die zehn neuen Spielplätze wurden als ergänzendes Angebot zu den vorhandenen städtischen Spielplätzen konzipiert, sie erhielten individuelle thematische Schwerpunkte und dazu passende Spielgeräte, um die Adressbildung und Identifikation in der Großsiedlung zu stärken und sie wurden noch vor Beginn der Wohnungssanierungen fertiggestellt, um den durch die Sanierungsbelastungen betroffenen Mietern Ausweich- und Ausgleichsmöglichkeiten zu bieten. 

Bei der Wahl der Spielplatzausstattung und der Spielgeräte geht die STADT UND LAND einen eher konservativen Weg und setzt sozusagen auf den VW Golf unter den Spielplätzen: auf bewährte, klassische, hochwertige und langlebige Evergreens. Als Unternehmen, das sich aus den Mieten im niedrigen bis mittleren Preissegment finanziert, wäre es den Mietern kaum zu vermitteln, bei Spielplätzen auf teure Trendlösungen zu setzen, die womöglich nur kurz anhalten und dann nicht mehr nachgefragt werden oder auf Ausstattungen, die zwar über einen sehr hohen Spielwert, wegen aufwendiger Technik und hoher Nutzungsintensität dafür allerdings hohe Folgekosten nach sich ziehen. Ausnahmen, wie vereinzelt bei Inklusionsspielgeräten, die auch von Kindern mit Behinderungen genutzt werden können, bestätigen zwar die Regel, grundsätzlich gilt aber das Wirtschaftlichkeitsgebot.

Probleme, etwa durch Vandalismus, missbräuchliche Nutzung und Lärmbelästigung auf den Spielplätzen im Bestand der STADT UND LAND gibt es zwar auch, aber für die Verhältnisse einer Metropole wie Berlin nur punktuell und weder dauerhaft noch schwerwiegender Natur. Auch wenn man sich gelegentlich wünscht, so mancher möge sich an seine eigene Kindheit zurückerinnern und sich in Toleranz üben, bevor er sich über den Lärm durch spielende Kinder beschwert, überwiegen die positiven Effekte für das Wohnumfeld und das soziale Miteinander so stark, dass jede Investition in Spielplätze eine gute Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft ist. 

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