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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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03.12.2020 - Ausgabe: 6/2020

Mehr Bewegung im Stadtquartier – das Projekt „Gröpelingen bewegt“

Von Carlo W. Becker, Friederike Lichtenthal (bgmr Landschaftsarchitekten GmbH Berlin)

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© Spiel- und Freiraumobjekte

Im Stadtquartier Gröpelingen im Westen von Bremen leben Menschen aus zahlreichen Kulturen. Ein Stadtquartier, in dem städtebauliche, soziale, freiräumliche Fragestellung und Herausforderungen in einer besonderen Intensität aufeinandertreffen. 

Das Stadtquartier wurde bereits 1999 vom Land Bremen in das Städtebauförderprogramm Soziale Stadt aufgenommen und 2014 das Integrierte Entwicklungskonzept IEK erarbeitet. Gesundheit, Sport und Bewegung wurden hierbei frühzeitig unter dem Obergriff ‚Gröpelingen bewegt‘ als wichtige Themen auf die Agenda gesetzt.  

Die Frage musste beantwortet werden, wie diese Zielsetzung umgesetzt werden kann? Welche Projekte geeignet sind, um das Thema Sport und Bewegung vor allem niedrigschwellig im Stadtquartier zu verankern.  2016 und 2017 wurde ‘ vom Team Proloco aus Bremen und bgmr Landschaftsarchitekten aus Berlin das Konzept ‚Gröpelingen bewegt‘ weiter konkretisiert. 

Im ersten Schritt wurden die möglichen Bewegungsaktivitäten und Interessen im Stadtquartier Gröpelingen ermittelt. Welche Aktivitäten der Bewegung werden in Gröpelingen nachgefragt, was ist interessant für die verschiedenen Nutzergruppen? Die im Rahmen einer intensiven Bürgerbeteiligten ermittelten Aktivitäten reichen von Joggen, Gehen bis zum Kraftsport, Klettern oder Sprayen. Gebündelt wurden die Ergebnisse in einer Aktivitätenbox. 

Der nächste Schritt war die Flächensuche. Welche Flächen sind für die nachgefragten Aktivitäten im Stadtquartier überhaupt geeignet? Es fand eine Zuordnung der Aktivitäten zu Flächenpotentialen statt. Das Motto lautete: ‚Aktivität sucht Fläche‘

Im dritten Schritt wurden Steckbriefe erarbeitet, in denen vor allem die Machbarkeit überprüft wurde. Es fand damit eine Projektqualifizierung statt. Fragen z.B. nach der Gestaltung der Bewegungsaktivität, der Flächenverfügbarkeit, Finanzierung und Unterhaltung wurden vorgeklärt.

Ein Aktivitätenbaustein sind die Bewegungsinseln im Grünzug West. Dieses Konzept wurde mit den beteiligten Dienststellen des Senats, dem Umweltbetrieb Bremen und vor allem der Bürgervertretung (Projektgruppe Gröpelingen) mehrfach diskutiert und abgestimmt. Im Ergebnis wurden vier Bewegungsinseln ausgewählt, die nicht nur zur Bewegung anregen, sondern auch ein markantes Erscheinungsbild hinterlassen.  Das Stationenkonzept für Spiel-, Bewegungs- und Aufenthaltsangeboten für Jung und Alt wurde konkretisiert und in die Objektplanung überführt. 

 

Bestandsituation 

Der Planungsraum befindet sich im Stadtteil Gröpelingen und gehört zum Bremer Stadtbezirk West. Die Grünanlage verbindet die drei Stadtteile Gröpelingen, Walle und Oslebshausen miteinander. Der Grünzug ist eine öffentliche Parkanlage mit wertvollem Baumbestand. Die langgestreckte Grünfläche zeichnet sich durch kleine Liegewiesen, Baumhaine, verschiedene Kleinstkunstwerke, einem Spielplatz mit Rutsche, einem Ballspielplatz, einem Basketballfeld und einer befestigte Fläche mit einer Skater-Rampe aus. Im Umfeld des Grünzugs liegen u.a. das Westbad (Freibad), die Jugendkirche (Garten Eden 2.0), die Ganztagsgrundschule Fischerhuder Straße und das Quartiersbildungszentrum Morgenland. Die Bewegungsinseln sollen die Quartiersbewohner+innen, aber auch weitere Nutzergruppen, z.B. Schüler der angrenzenden Schule, anregen sich zu bewegen.                                     

 

Grundzüge der Gestaltung

Mit dem Konzept „Bewegungsinseln im Grünzug – groß und sichtbar“ soll Bewegung erzeugt werden. Über Bewegung wird deutlich, dass sich was verändert. 

 

Was ist Bewegung?

Der Begriff der Bewegung wird weit gefasst. Bewegung meint zum einem sportliche Tätigkeiten wie Laufen, Klettern, oder Krafttraining aber auch Konzentrationsübungen. Das Balancieren auf einer Slackline oder in der Abendsonne. Schaukeln sind auch Formen der Bewegung.

 

Wer?

Mit diesem breiten Ansatz sollen verschiedene Bevölkerungsgruppen unterschiedlichen Alters angesprochen werden. Bewegungsinseln sind nicht ein Kinderspielplatz, sondern sind generationsübergreifend ausgerichtet. Wichtig ist dabei, dass die Bewegungsangebote niedrigschwellig und einfach genutzt werden können. Sport- und Bewegungsangebote sollen nicht zwingend an eine Vereinsmitgliedschaft gebunden sein, sondern beiläufig im Alltag genutzt werden.

 

Wo?

In dem langgestreckten Grünzug West wird eine Kette von Bewegungsinseln (Bewegungsstationen‘) geplant, die mit ihrem markanten Erscheinungsbild identitätsstiftend wirken. Sie sollen so gestaltet sein, dass eine möglichst breite Zielgruppe angesprochen wird. Die Bewegungsinseln sollen sichtbar sein, nicht klein sein, sondern eher der Kategorie „XL-Bewegungsgerät“ zugeordnet werden. Durch die Größe des XL- Gerätes eignen sich die Inseln als Treffpunkte und machen das Thema der Bewegung auch „nach außen“ sichtbar. Aufgrund der Größe, der generationsübergreifenden Nutzbarkeit und der Farbgebung in den ‚Gröpelingen-Farben‘ (rot und blau) sind die Bewegungsinseln Symbole für das Thema ‚Gröpelingen bewegt‘. Die vier Bewegungsinseln sollen über das Stadt­quartier eine Ausstrahlung entwickeln und damit imagewirksam sein. In einer späteren Phase ist es möglich, die Bewegungsinseln um weitere Geräte und Sitzmöglichkeiten zu ergänzen.           

 

Bewegungsinsel 1 - Schaukelanlage 

Auftakt mit Aussicht ist eine Schaukelanlage mit drei Schaukeln. Wie an einer Perlenkette hängen die Schaukelsitze an einer gebogenen Stahlröhre. Das Stahlrohr hat eine dynamisch bewegte Grundform, die das konzeptionelle Thema der ‚Bewegung‘ gestalterisch übersetzt und sichtbar macht. Der große Rahmen verbindet die einzelnen Schaukeln und bildet eine gestalterische Einheit.  Das Nebeneinander der Schaukeln ermöglicht ein gemeinsames Bewegungserlebnis für Jung und Alt. 

 

Bewegungsinsel 2 - Sitz- und Fitnessskulptur 

Die Sitz- und Fitnessskulptur besteht aus 3 Objekten. Sie sind so zueinander gruppiert, dass sie einen Ort bilden, der als Treffpunkt genutzt werden kann. Die Skulptur reagiert damit auf die Nutzerwünsche aus der Jugendkirche ‚Garten Eden 2.0.‘ und der Grundschule. 

Die zwei Sitzskulpturen sind in ihrer Grundform ähnlich und nehmen das konzeptionelle Thema der ‚Bewegung‘ gestalterisch auf. Stahlröhren wachsen aus dem Boden und bilden Bögen aus, in die Netze eingehängt werden. In verschiedenen Höhen kann man sitzen und liegen. Ergänzt wird die Sitzgruppe durch eine Klimmzugstange welche sich bogenförmig bis zu einer Höhe von 3m erhebt. Hier können Parkbesucher sportlich aktiv werden.  

 

Bewegungsinsel 3 - Balancierparcours / Balance 

Zum Thema Gleichgewicht und Geschicklichkeit werden eine Vielzahl von unterschiedlichen Objekten zum Hüpfen, Springen und Balancieren angeboten. Betonbubbles in verschiedenen Höhen dienen als Trittsteine im Rasen. Zwischen Stahlpfosten sind Balancierseile, Balanciertampen und Plankenstege gespannt. Wer Lust hat, kann zusätzlich seine eigene Slackline montieren. Alle Elemente trainieren den Gleichgewichtssinn und werden in die Rasenfläche zwischen den Bäumen platziert. 

 

Bewegungsinsel 4 -  Rutsche / Beschleunigung 

Die Rutsche bietet rasante Beschleunigung. In Bewegung kommen die, die das nicht nur einmal machen. Ein Rutschenplateau erhebt sich ellipsenförmig bis zu einer Höhe von drei Metern. Über eine Leiter erreicht man das Plateau. Es wird eingefasst von einem Stahlrundrohr. Zwischen den Röhren sind Seile gespannt, die sich beklettern lassen. An das Rutschenplateau ist eine Wellenrutsche und eine Freifallrutsche angebaut. 

 

Materialität 

Die Anlage und die Unterhaltung der Bewegungsgeräte sind zwei Punkte, die bei der Planung zu beachten sind. Die Geräte sollen einerseits zur Bewegung animieren, müssen daher Besonderheiten aufweisen. Anderseits müssen sie robust und haltbar sein. Daher sind bei der Auswahl der Materialien Robustheit und Pflegeleichtigkeit wichtige Kriterien. 

Die Grundkonstruktion der Objekte ist aus verzinktem und lackiertem Stahlrohr. Alle Stahlelemente sind lackiert. Die Netze und Seile sind aus gespleißtem Herkulesmaterial. 

 

Finanzierung

Die Finanzierung der Maßnahme erfolgt aus den Städtebauförderungsprogrammen Soziale Stadt sowie Stadtumbau der Stadtgemeinde Bremen.

 

Der Auftraggeber  

Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr – Freie Hansestadt Bremen.

 

Weitere Informationen: 

Bearbeitung durch:

bgmr Landschaftsarchitekten GmbH

web: www.bgmr.de

Bearbeitungsteam:

Dr. Carlo W. Becker, Friederike Lichtenthal , Holger Siemers / Siemers Landschaftsarchitekt (Bauleitung)

Firmen: 

Spiel- und Freiraumobjekte

ESF Emsland Spiel- und Freizeitgeräte GmbH & Co KG

 

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