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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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03.12.2020 - Ausgabe: 6/2020

Schöner Wohnen und gemeinsam Spielen

Photo
© Claudia Gust (SIK-Holzgestaltungs GmbH)

Der Zukunftsforscher Robert Jungk bringt den Zusammenhang zwischen Wohnumfeld und Wohlbefinden wie folgt zum Ausdruck: 

„Wir haben jetzt die Chance, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und Siedlungen zu bauen, die mit der Natur in Einklang stehen und menschlichen Bedürfnissen gerecht werden. Wenn wir verhindern wollen, dass Neurosen und seelisches Unglück inmitten von materiellem Wohlstand zunehmen, dann sollten wir mehr Menschen eine Heimat geben, die sie lieben können und aus der sie nicht fliehen müssen.“

Die Freiraumgestaltung in Wohngebieten kann also der Anonymität entgegenwirken und ein Miteinander der Generationen fördern und einem häufigen Wohnungswechsel entgegenwirken. Das haben viele Wohnungsbauunternehmen und Eigentümer von Wohnungen erkannt und investieren in ein ansprechendes Wohnumfeld.

Die Charlottenburger Baugenossenschaft in Berlin zeigt, wie es gehen kann. Sie ist eine der ältesten Genossenschaften Berlins. Liebevoll nennt sie sich kurz „Charlotte“. Bereits 1907 gegründet hat sie Kaiserreich, Weimarer Republik, Nazidiktatur, Kriege, Zerstörung, Wirtschaftswunder, Mauerbau und Wiedervereinigung erlebt. Aus den 572 Mitgliedern im Jahr 1907 sind aktuell knapp 14.000 Mitglieder geworden. Die Wohnungen der „Charlotte“ sind längst nicht mehr nur in Charlottenburg zu finden, sondern auch in fünf anderen Stadtteilen Berlins. Vieles hat sich in den 113 Jahren der Geschichte der „Charlotte“ geändert, eines ist geblieben, hier steht der Mensch im Mittelpunkt und jedes Mitglied kann sich auf eine starke Gemeinschaft verlassen. Viele Mitglieder engagieren sich uneigennützig für die genossenschaftliche Familie - eine soziale Nachbarschaft - generationenübergreifend und ohne interkulturelle Hürden. Die sechs „Charlotte | Treffs“ sind so bunt und unterschiedlich, wie die Wohnanlagen und die Menschen, die in ihnen wohnen. Damals wie heute ist der Anspruch eine gute Wohnqualität in einem ansprechenden Wohnumfeld zu bezahlbaren Preisen für seine Mitglieder zu gewährleisten.

Zum Wohnumfeld gehören vor allem die Grünanlagen, das „Draußen Wohnen“. Es ist der halböffentliche Bereich, der in der Regel allen Mietern für eine gemeinsame Nutzung zur Verfügung steht. Viele Grünanlagen wurden von der „Charlotte“ bereits aufgewertet oder sind in Planung. Einige wurden teilsaniert, andere komplett neu gestaltet. In Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten entstehen immer wieder neue individuelle Lösungen, die auf die Bewohner zugeschnitten sind. Dabei wird mit dem vorhandenen Grüngerüst immer sehr sensibel umgegangen und neues Grün angelegt. Auch Spielflächen und deren Umfeld haben als Treffpunkte und Orte der Kommunikation einen hohen Stellenwert. Für die Ausstattung wird, wenn immer möglich, auf den Einsatz von resistenten Hölzern Wert gelegt. 

An zwei Beispielen soll dies deutlich werden. Beide Wohnhöfe wurden von Landschaftsarchitektin Katharina Niproschke geplant und mit Spielgeräten der Firma SIK-Holz ausgestattet. 

Der erste Wohnhof liegt in der General-Barby Straße in Berlin-Reinickendorf. Hinter den vier-geschossigen Wohn-Gebäudezeilen erstreckt sich ein intakter Grüngürtel mit altem Baumbestand und kleinen Mietergärten. Zwischen den Mietergärten gibt es eine größere Freifläche mit Sitzbänken, Spiel und Bewegungsangeboten. Die Ausstattung war in die Jahre gekommen und sollte erneuert werden. Angeregt von dem Umfeld einer intakten Kleingartenkolonie entwarf LA Katharina Niproschke in enger Zusammenarbeit mit dem Berliner Büro der Firma SIK-Holz einen neuen Spielplatz unter dem Thema „Junges Gemüse“. Der Spielplatz wirkt wie ein großes hölzernes Gemüsebeet zwischen zwei großen Birken. Er ist in verschiedene Zonen unterteilt, um ein altersgerechtes Spielen zu ermöglichen. So gibt es für Kinder unter drei Jahren einen eingezäunten Sandbereich mit Sand- und Wasserspielen und einer kleinen Gartenlaube für Rollenspiele. Der liebevoll gestaltete Zaun mit Applikationen und Skulpturen aus dem Reich des Gärtners trennt den Kleinkindbereich von den eher bewegungsintensiven Spielgeräten für größere Kinder. Die kleinen Kinder können so aus einer sicheren Position das Spiel der Großen beobachten. Außerhalb des eingezäunten Kleingartens laden verschiedene Tierskulpturen drei Springplatten als „Salatkopf“ und „Erdbeere“ gestaltet, eine „Chili-Wippe“ und eine „Gemüse-Schaukel“ zum gemeinsamen Springen, Wippen, Schaukeln und Rollenspiel ein. Für größere Kinder bis ca. 12 Jahre bietet die zentrale „Schrebergarten-Spielkombination“ viele Bewegungsanreize von Klettern und Balancieren bis zu Hangeln und Rutschen. Für diese Bereiche wurden Hackschnitzel als Untergrund gewählt. Um die Spielflächen führt ein kleines Straßennetz aus gepflasterten Wegen mit kleinen Verkehrsschildern. Hier können die Kinder mit allem, was rollt, schon einmal lernen, wie man sich in der Welt außerhalb des Spielgartens bewegt. Weiter gerollt werden kann auf der angrenzenden Fläche, die mit einer Tischtennisplatte und einem Basketballkorb auch ein Betätigungsfeld für Jugendliche bietet. Alle, die nicht spielen, aber zuschauen, sich unterhalten oder einfach nur an der frischen Luft sein wollen, können auf den ausreichend vorhandenen Sitzbänken Platz nehmen.

Der zweite Wohnhof liegt in der Kohlrauschstraße in Berlin-Charlottenburg. Dieser Wohnhof ist öffentlich zugänglich. Die Ausstattung des Spielbereiches bestand aus einer Spielanlage für Kleinkinder, die nicht die Bedürfnisse aller Altersgruppen erfüllte. Der neue Entwurf von LA Katharina Niproschke und Dr. Gabriele Holst teilt die Fläche in verschiedene Spielzonen, die wie geschwungene Bänder wirken, mit natürlich wechselnden Untergründen und SIK-Holz Spielgeräten aus natürlich gewachsenem Robinienholz. Die Fläche beginnt im hinteren Bereich mit einer dichten Bepflanzung und einem Wiesenstreifen. Der sich anschließende Kleinkindbereich mit Spielhaus, Matschanlage und Minischaukel hat Spielsand als Untergrund. In der Mitte der Fläche steht ein großer Ahorn mit einem großzügigen Sitzpodest um den Baum herum. Ein tiefer gelegener »grüner Fluss« aus Weidengräsern trennt die Kleinkind-Spielfläche von der Spielfläche für größere Kinder. Zwei Brücken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden verbinden die Flächen miteinander. Die Spielfläche für größere Kinder ist ebenfalls durch zwei verschiedene Untergründe geteilt, da die vorhandene Schaukel einen dämpfenden Untergrund braucht. Hier wurde Hackschnitzel als natürlicher Fallschutz eingesetzt, daran schließt sich wieder ein Wiesenband an. Zwischen diesen beiden Flächen verläuft eine abwechslungsreiche Balancieranlage aus festen und beweglichen Elementen. Die Pfosten sind teilweise als Gräser oder Rohrkolben gestaltet. Das verstärkt den Gesamteindruck einer kleinen Flusslandschaft.

Die beiden Beispiele zeigen, wie Wohnhöfe zu kleinen grünen Oasen umgestaltet werden können. Auch das Wohnen mitten in der Stadt kann Wohnen im Grünen und Spielen in der Natur sein. 

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