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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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13.08.2021 - Ausgabe: 4/2021

Neugestaltung des Wasserspielplatzes im Inneren Grüngürtel der Stadt Köln

Von Birgitta Henkel (Dipl.-Ing.) und Axel Schütze (Dipl.-Ing. AKNW / BDLA) – Landschaftsarchitekturbüro Axel Schütze

Photo
© Axel Schütze, Birgitta Henkel, Felix Arabin (Landschaftsarchitekturbüro Axel Schütze)

Die Stadt Köln freut sich darauf, wenn der Wasserspielplatz gut angenommen wird. Neben dem hohen Freizeitwert für Kinder, wirkt sich der Wasserspielplatz positiv auf das Mikroklima im Inneren Grüngürtel aus. 

Der Wasserspielplatz liegt im rund sieben Kilometer langen Kölner Grüngürtel zwischen der Venloer und der Vogelsanger Straße, in unmittelbarer Nähe des Kölner Fernsehturms Colonius.
Mit einer Größe von ca. 1.250 m² stellt der Wasserspielplatz eine große Bereicherung für diese innenstadtnahe grüne Oase dar.
 Sowohl für die Anwohner der Wohngebiete der Innenstadt, als auch der davon westlich gelegenen Wohngebiete ist der Wasserspielplatz innerhalb weniger Minuten komfortabel zu erreichen. Die nahegelegenen Spielplätze, ein Outdoor-Fitnessparcours, Basketball- und Tennisfelder werden bei schönem Wetter bereits ab dem Vormittag stark frequentiert. 

Mit der Eröffnung des Wasserspielplatzes am 15. Juni 2021 ist nun eine weitere Attraktion im Grüngürtel der Stadt Köln hinzugekommen, die den Naherholungswert des Grüngürtels nochmals erheblich steigert.

 

Konzept und Planung

Bereits seit 2009 liefen erste Arbeiten für eine Neuplanung des Wasserspielplatzes. Die bisherigen Wasserspielgeräte aus den 1960er Jahren waren größtenteils defekt und mussten aus Sicherheitsgründen fast alle rückgebaut werden. Zusammen mit der mittlerweile sehr tristen Asphaltfläche bot sich so zuletzt ein Bild einer fast vollständig ausgeräumten Wasserspiellandschaft. 

Das Ziel der Sanierung musste daher sein, einen ganzjährig ansprechenden Ort zum Verweilen und Wohlfühlen zu gestalten und dabei höchsten Ansprüchen an Nachhaltigkeit und verantwortungsvollem Umgang mit Ressourcen gerecht zu werden.
Besonderes Augenmerk wurde dabei selbstverständlich auf die Wassertechnik gelegt, vor allem auch im Hinblick auf die immer trockeneren Sommer der letzten Jahre.
 Aus einem unterflur eingebauten Technikraum wird jetzt die Wasserversorgung der einzelnen Attraktionen gesteuert. 

Die Betriebszeiten sind voreingestellt, sodass derzeit in den Zeiten zwischen 09:00 und 19:00 Uhr der Wasserspielplatz vom Wasser gespeist wird. 

Um einerseits beim Wassereinsatz dem Bedarf gerecht zu werden und andererseits den Verbrauch möglichst wirtschaftlich zu gestalten, wird auf folgende Punkte geachtet: Mit dem Einsatz von technischen Mitteln wird zum einen der Verbrauch limitiert. Es werden immer unterschiedliche Geräte angesteuert und nie alle Wasserattraktionen und Bodendüsen gleichzeitig mit Wasser gespeist. Des Weiteren wird in den einzelnen Wasserattraktionen und Bodendüsen durch das Verwirbeln des Wassers der Eindruck erzeugt, deutlich mehr Wasser einzusetzen als es tatsächlich der Fall ist. Von den zur Verfügung stehenden 30 m³ Wasser pro Stunde, die der Versorger liefert, werden derzeit nur maximal die Hälfte pro Stunde genutzt. 

Darüber hinaus ist es möglich, über die vorhandene Wetterstation, die am Park-Café montiert wurde, bei starkem Wind und einer voreingestellten Temperatur den Wasserbetrieb zu unterbrechen. Die Stadt Köln testet derzeit noch, welche Einstellmöglichkeiten sich als die optimalsten in Hinsicht auf den Spaß der Nutzer und den Wasserverbrauch ergeben.

Über zwei Aktivatoren, die im Bereich des Platzes und nahe bei den Wasserattraktionen stehen, können die Kinder die Wasserattraktionen und Bodendüsen selber anschalten und somit aktiv in das Wassergeschehen eingreifen. Wenn diese Aktivatoren nicht gedrückt werden, hört der Wasserfluss nach einer eingestellten Zeitdauer auf. Auch auf diese Weise wird gesichert, dass nur bei Bedarf Wasser fließt. 

Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt bei der Planung war die Frage, mit welchem Belag die Fläche versehen werden kann, da dieser vielfältigen Anforderungen gleichzeitig gerecht werden muss. So müssen zum einen die Vorgaben bezüglich Fallschutz bei gleichzeitiger wasserundurchlässiger Ausführung des Belages eingehalten werden. Zwar sind die Wasserattraktionen nicht speziell zum Beklettern vorgesehen, da es aber potentiell möglich ist, waren die falldämpfenden Eigenschaften des Belages erforderlich. Zudem sollte die gesamte Fläche so ausgestaltet werden, dass die Kinder ungehindert toben können und sie beim Fallen ein gedämpfter Boden vor Verletzungen weitestgehend bewahrt. Gleichzeitig muss der Belag im Hinblick auf Unfallvermeidung eine gewisse Rutschhemmnis vorweisen. Nicht zuletzt musste der Belag extrem exakt eingebaut werden, um das anfallende Wasser zügig den Wasserabläufen zuzuführen. Aus Hygienegründen darf kein stehendes Wasser auf dem stets öffentlich zugänglichen Gelände verbleiben.
 Neben diesen technischen Anforderungen spielten natürlich auch die gestalterischen Aspekte eine wesentliche Rolle. So wurde die Fläche in unterschiedlichen Farben hergestellt und vermittelt nun durch ihre sandfarbene und wasserblaue Farbgebung eine Strandatmosphäre und ein Gefühl von Urlaub.

Außerhalb der Betriebszeiten des Wasserspielplatzes wird die Fläche, nicht zuletzt wegen ihrer elastischen und stoßdämpfenden Beschaffenheit, auch sehr gerne von Freizeitsportlern genutzt. So tummeln sich teilweise schon in den frühen Morgenstunden ganze Tanz- und Gymnastikgruppen, Yoga-Fans und auch Kampfsportler auf der Fläche.

 

Bauphase

Nachdem die früheren Wasserspielgeräte vollständig demontiert waren, wurde der bisherige Asphalt Belag ausgebaut. Anschließend wurde mit der Neuanlage begonnen.
Nachdem die Fläche auf die erforderliche Tiefe ausgekoffert war, folgten die Randeinfassung der Fläche und der exakt berechnete, höhengerechte Einbau der 78 Fundamente für die Wasserattraktionen und Bodendüsen. Für die Randeinfassungen wurden speziell angefertigte Betonrinnenformsteine mit einer Länge von 50 cm eingebaut, die in ihren Abmessungen genau auf die ebenfalls spezialgefertigten Einlaufkästen abgestimmt wurden. Auch die Einzelfundamente für die Wasserattraktionen und Bodendüsen wurden wegen der erforderlichen Aussparungen für den Wasserzulauf als Spezialanfertigungen hergestellt.
Anschließend wurden sowohl die Wasser- als auch die Elektroleitungen verlegt und die vorbereitenden Arbeiten für die Montage und den Anschluss der Wasserattraktionen ausgeführt.
 Auf den Einbau der mineralischen Schottertragschicht erfolgte der Einbau des Fallschutzbelages Sureplay Splash PU durch die Firma Procon. 

Dieser besteht zunächst aus der Dämpfungslage, die aus einer neuartig entwickelten Schicht aus E-TPU (geschlossenzellige Schaumstoffpartikel aus thermoplastischem Polyurethan) in einer Stärke von 40 mm aufgebracht wird. An einigen Stellen wurde diese Stärke bis auf 80 mm aufgrund der größeren erforderlichen Fallhöhe erhöht. Auf dieser Dämpfungslage wurde eine Lastverteilungsschicht von 10 mm Stärke aus EPDM-Granulat auf Kautschukbasis aufgetragen. Auf dieser Schicht wurden dann der Porenschluß sowie die endgültige farbige Beschichtung aufgetragen. Beide Schichten sorgen für die Wasserundurchlässigkeit des Belages.

Größte Anforderungen wurden an die Einhaltung des Gefälles und die Dichtigkeit an den Anschlussstellen an Betonrinnenformsteinen und Edelstahlabläufen gelegt.
 Bei dem Standort der Wassertechnik entschied sich die Stadt Köln nach diversen Abwägungen für eine unterflur Unterbringung. Die Wassertechnik der alten Anlage war noch in den Kellerräumen des benachbarten Kiosks untergebracht. Bereits bei der Planung war schnell abzusehen, dass dies in Zukunft aus Platzgründen und dem erforderlichen Wartungszugang nicht mehr möglich sein würde. Daher wurde von dem Ingenieurbüro Bayer der Einbau eines Unterflurcontainers geplant. Ein 7,20 m langer, 2,40 m breiter und 2,10 m hoher Container, der als Technikraum dient, wurde dazu in unmittelbarer Nähe der Fläche im Erdreich eingebaut. Mittels eines 250-t-Mobilkranes wurde der zuvor im Werk fast komplett vorkonfektionierte Container in eine vorher eingebaute Betoneinhausung eingelassen. Eine Wurzelbrücke aus Stahl dient als Abdeckung und nimmt die Ausbaulasten der aufliegenden Rasenflächen und Pflasterung sowie die Verkehrslasten auf. 

Von dem Technikcontainer ist jetzt lediglich noch der Einstiegsschacht auf der Fläche noch sichtbar.

 

Gestaltung und Ausstattung

Nach der Fertigstellung der Wasserspielflächen konnten die Wasserattraktionen der Fa. Roigk montiert und angeschlossen werden. Wasserkäfer, Frosch, Krabbe, Palmen und Seegräser, sowie viele verschiedene Bodendüsen, die das Wasser in Form von senkrechten Fontänen, als Schweife oder Wassertunnel versprühen, sind in einer ausgefeilten Choreografie auf der Fläche angeordnet. Zusammen mit der zentral gesetzten, großen Wasserschlange bieten die Attraktionen nun ein abwechslungsreiches Vergnügen.
 Abgerundet wird die Gestaltung der Fläche durch die in den Randbereichen platzierten Bänke und Abfallbehälter, sodass einem erfrischenden Ausflug an heißen Sommertagen nichts mehr im Wege steht.


Planungsbeteiligte:

Auftraggeber:
Stadt Köln
Amt für Kinder, Jugend und Familie
Kinderinteressen und Spielplatzangelegenheiten
Karree, Ottmar-Pohl-Platz 1
 51103 Köln

Planung und Bauleitung Wasserspielplatz

Landschaftsarchitekturbüro Axel Schütze

Antwerpener Str. 7

50672 Köln

 

Planung und Bauleitung Wassertechnik

H.-P. Bayer Ingenieurbüro

Holzbüttger Str. 1-3

41564 Kaarst / Büttgen

 

Ausführung: Landschaftsbau

A. Frauenrath Landschaftsbau GmbH & Co. KG

Industriestraße 50

52525 Heinsberg

 

Ausführung: Synthetischer Fallschutzbelag

PROCON Play and Leisure GmbH
Van-der-Reis-Weg 11
 59590 Geseke

 

Ausführung: Wassertechnik
Thomas Herrmann GmbH
Kirchfeldstraße 50
 51643 Gummersbach

 

Ausführung: Wasserattraktionen und Bodendüsen
ROIGK GmbH & Co.
Hundeickerstr. 11-19
 58285 Gevelsberg

 

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