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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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03.01.2011 - Ausgabe: 6/2010

Von Bürgern für Bürger

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Auch in Zeiten klammer Haushaltskassen bei Kommunen können durchaus Projekte realisiert werden, die für die Gemeinde oder Stadt nicht in Ihrer Haushaltsplanung stehen. So geschehen im oberbayerischen Geisenfeld in der Nähe von Ingolstadt. Hier wurde mit dem Bau des „Bewegungspark an der Ilm“ ein generationsübergreifender Bewegungsparcours für alle Altersstufen geschaffen. Dies erfolgte nach dem Muster der bereits deutschlandweit vertretenen 4Fcircle-Fitnesspacours (siehe auch: www.4Fcircle.de).

Woher kam die Idee?

Die Idee in Geisenfeld entstand in einer kleinen Gruppe, bewegungsbegeisterter Senioren. Diese hatten „keine Lust mehr Ihren Enkeln beim Spielen auf althergebrachten Spielplätzen nur zuzusehen…“. Ihre Vorstellung war es, interaktiv dabei zu sein, egal ob alt oder jung, sportlich trainiert oder nicht, ob alleine oder in der Gruppe. Es sollte eine Anlage entstehen, auf der sich Alle, je nach Ihrer Bewegungsneigung, aktiv betätigen können. Gesucht, gefunden. Bei Ihren Recherchen stieß die Gruppe um Herbert Eifertinger und Günter Reith (Stadtrat in Geisenfeld) auf das 4Fcircle Konzept und testete eine bestehende Anlage in München. Aus diesem „Praxis-Test“ entstand nun das Grundkonzept zum Bewegungspark für Geisenfeld. Es wurden die gewünschten Stationen hauptsächlich aus dem 4Fcircle-Sortiment ausgewählt und zu einem sportwissenschaftlich ausgewogenen Parcours zusammengestellt.

Nun wurde ein Finanzierungskonzept erarbeitet und dem Stadtrat Geisenfeld vorgelegt. Die Gesamtkosten von ca. 75.000 € (Gerätekosten und Aufbau) wurden dabei auf drei Säulen verteilt:

Die Stadt Geisenfeld erklärte sich bereit ein Gelände und einen Kostenanteil von max. 30.000,- Euro zu übernehmen und honorierte so das bürgerschaftliche Engagement.

Die Organisatoren akquirierten etwa ein Drittel der Kosten in Form von Sponsorengeldern bei ortsansässigen Firmen. Unterstützt wurde die Sponsorenakquise durch das ausführliche Informationsmaterial zu den einzelnen Stationen des Bewegungsparcours. Das Organisationsteam vor Ort in Geisenfeld nutzte nun alle bestehenden Kontakte zu lokalen Firmen. Für jede einzelne Station wurde in der Folge ein Geldgeber gefunden.

Lokale Firmen erbrachten Sach-Dienstleistungen (Aufbau, Füllmaterial, Planungstätigkeiten, etc.) als Sponsoring-Maßnahmen, welche ebenfalls ein Drittel der Kosten deckten.

Somit wurde im Frühjahr 2010 nach ca. 1 Jahr Vorlaufzeit ein Projekt realisiert, welches unter „normalen Umständen“ jahrelang aufgeschoben worden wäre, oder möglicherweise gar nicht umgesetzt hätte werden können. Aus bürgerschaftlichem Wirken einer kleinen Gruppe entstand eine Situation die für die Kommune, alle Bürger und Gäste in Geisenfeld von Vorteil ist.

Die Gemeinde musste lediglich ein Drittel der Kosten tragen, und erfüllt mit vergleichsweise geringem Aufwand Ihre Aufgabe, der Bevölkerung Möglichkeiten zur Gesundheitserhaltung zu bieten.
Die Bürger, Schulen, Vereine, etc. und Gäste des Ortes erhalten eine Möglichkeit spaßorientiert, sportwissenschaftlich fundiert und Nutzerbezogen ihr eigenes Bewegungsverhalten zu verbessern, kostenfrei, nah und Tag und Nacht geöffnet.
Die Bindung zwischen Kommune, Einwohnern und ortsansässiger Wirtschaft wird gestärkt. Der Platz „gehört“ quasi allen und wird deswegen auch entsprechend frequentiert und auch kontrolliert.

 

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(Erster Beitrag erschienen in der Playground and Landscape Ausgabe 4 / 2019).