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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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12.03.2012 - Ausgabe: 1/2012

Ein Stück Afrika in Dresden

Von Isabel Bartsch (Dipl.-Ing.), Rehwaldt Landschaftsarchitekten

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Im Jahre 1861 entstanden nach den Entwürfen von Peter Joseph Lenné die ersten Anlagen des Zoos in Dresden. Auf Grund seiner heutigen zentralen innerstädtischen Lage und der direkten Nachbarschaft zum „Großen Garten“ hat der Dresdner Zoo keine Möglichkeit sich räumlich zu erweitern. Die Nachbarschaft zum „Großen Garten“ bot aber die einmalige Chance, die eindrucksvolle Parkkulisse als visuelle Erweiterung des Zoo zu nutzen.
Ziel des Entwurfes war es, den „Großen Garten“ als optische Erweiterung in den Zoo zu holen um, räumliche „Weite zu erleben“.

Die städtebauliche Lage des neuen Giraffenhauses war dabei von immenser Bedeutung.
Das neue Giraffenhaus wurde an der nördlichen Gehegegrenze zum „Großen Garten“ platziert. Zwischen Giraffenhaus und bestehendem Terrarium bildet sich das Außengehege als neuer Freiraum, der „Weite und Raum“ erleben lässt. Die Tiere werden vor dem „Großen Garten“ und der „Savannenarchitektur“ des Giraffenhauses präsentiert.

Durch eine zukünftige Neuplatzierung des Reptilienhauses kann ein weiteres Gehege geschaffen werden. Es entsteht ein Gehegeensemble mit afrikanischen Themen vor der Kulisse des Großen Gartens. Die Betriebflächen eines Neubaus können geschickt über die der Löwenanlage erschlossen werden.

Die neue Giraffenanlage ordnet sich räumlich dem ursprünglichen Lennéschen Parkentwurf unter. Der Große Garten dient dabei als Kulisse und ist mit seinem Baumbestand die optische Erweiterung für das Gehege. Die Freianlagen verstehen sich als Interpretation einer afrikanischen Landschaft, wobei Besucherflächen und Gehege eine Einheit bilden. Auf scharfe Trennungen – etwa durch Zäune - wurde verzichtet.

Erlebnisraum Zoo

Um das neue Giraffenhaus in die Umgebung einzupassen, wurde das Gebäude in zwei Baukörper getrennt und somit optisch verkleinert. Auf Grund der Lage des Gebäudes entstehen für den Zuschauer nicht einsehbare Bereiche, wie Wirtschaftsbereiche und Vorgehege (Zebra, Stelzvögel).
Architekturthema des Hauses ist die Savanne. Vertikale Holzlamellen in den Farbtönen der Giraffenhaut (Dunkel, - Mittel, - Hellbraun) sollen an die Savanne und das „Flimmern“ der heißen Luft erinnern. Die über dem Haus sichtbaren Baumkronen des „Großen Garten“ verbinden sich mit der vertikalen Holzstruktur zu „Unterholz mit Kronen“. Das Gebäude verschwimmt mit der Natur.

Das Freigehege ist die Interpretation einer afrikanischen Landschaft. Auch die Pflanzung und die Ausstattung orientieren sich an diesem Prinzip. Auf eine Einzäunung des Geheges im traditionellen Sinne wurde verzichtet. 1,20 Meter tiefe Trockengräben in der Optik eines Bodenanschnittes verhindern das Flüchten der Tiere.
Über verschlungene Pfade durch Buschland kann sich der Besucher den Tieren nähern. In Verlängerung der bestehenden Besucherwege wurden „Landzungen“ in das Freigehege eingesteckt, die einen tiefen Einblick in das Gehege ermöglichen. Der Zuschauer hat den Eindruck mitten unter den Tieren zu sein. Eine besondere Gehegeeinsicht bietet die Landzunge am Wasserloch. Gräser und Steine bestimmen hier den Raumeindruck. Das Gehege selbst ist eine Trockenrasenfläche mit einem Wasserloch und einer Vogelinsel als Rückzugs- und Brutraum für Stelzvögel sowie zwei 5,50 Meter hohen Futterbäumen, die den Giraffen zur Nahrungsaufnahme dienen.

Die Gehegezonen zwischen den „Landzungen“ wurden mit Themen wie Wasserloch, Buschland oder Spähbaum besetzt. Somit hat der Besucher die Chance, die Tiere in einer bestimmten Umgebung oder aus einer besonderen Höhe zu beobachten.
Im Buschland kann sich der Besucher zur Tierbeobachtung durch die Savanne „pirschen“. Thematisch gewählte Pflanzen mit silbrigen Blättern und Dornen prägen den Raum.
Die Vorgehege direkt an den Gebäuden wurden zur vorübergehenden Abschirmung der Tiere genutzt. Holzverkleidete Zäune umfassen diese gehegeseitig.
Die Wegekreuzung zwischen neuer Löwensavanne und Giraffenanlage wurde zum Afrikaplatz. Hier sind die Fährten afrikanischer Tiere im Boden eingelassen. Wie bei einer Safari kann man die Spuren suchen, erkennen und den jeweiligen Tieren zuordnen.
Bei den Ausstattungselementen, den Africonen wurden die amorphen Formen tropischer Baumstämme zitiert. Die Herstellung erfolgte mit Kanthölzern aus dauerhaftem Lärchenholz, welche zu Blöcken verleimt und zusätzlich verbolzt wurden. Je nach Intention dienen die so entstandenen Körper als Sitzhocker, Kletterhilfe, erhöhter Aussichtspunkt, als Bank oder als Medium für das dezente Infotainment afrikanischer Themen. Die Farbgebung orientiert sich am Gesamtkonzept. Der am Gehegerand errichtete Spähbaum ist ein nachempfundener alter Baumstumpf, in dem man aufsteigen und Auge in Auge die Giraffen beobachten kann.
Durch die Wegnahme der alten Futtermeisterei musste die Gehegeeinfriedung am Goral neu erstellt werden. Das vorhandene Thema einer Felswand wurde aufgegriffen und neu umgesetzt.

Für den „Wanderer“ im Großen Garten wurde der alte Zooeingang zum neuen „Zoofenster“ wieder belebt. Ein Holzsteg führt den Wanderer über den Kaitzbach an den Gehegezaun. Durch kleine „Schlüssellöcher“ in der Pforte kann sich der Wanderer Appetit auf einen Besuch im Zoo Dresden holen.

Spielturm und Aussichtsplattform

Im Freiraum zeigt sich eine architektonische Verwendung des Holzes. So ist der 4,50 Meter hohe «Spielturm» mit dem gleichen Werkstoff wie die Fassade des Gebäudes verkleidet, jedoch intensiver eingefärbt. Die Form dieses besonderen Objektes erinnert an den Baumstumpf eines Affenbrotbaumes, der einsam in der Savanne steht. Und auch dieser «Baobab» ist hohl. Eine stählerne Treppe führt im Inneren auf eine Aussichtsplattform, eine Vielzahl von Seilen können als «Leitbündel» beklettert werden. Die relativ kräftige Färbung weist auf den spielerischen, aktiven Charakter des Turmes hin. Dies ist ein ausdrückliches gestalterisches Ziel, vor allem für die Zeit unmittelbar nach der Fertigstellung des Geheges, wenn die Bepflanzung noch nicht voll entwickelt ist und die Anlage dem Besucher vielleicht noch «unfertig» erscheinen mag.

Africonen

Die spielerische Naturerfahrung, das Kennenlernen der «Heimatlandschaft» von Giraffen und Zebras ist ein Thema, welches vor allem die pädagogischen Aufgaben des Zoos tangiert. Auch hier ist es immer wieder der Werkstoff Holz, der es ermöglicht, eine Brücke vom afrikanischen Original zur europäischen Nachempfindung zu schlagen. Die bildliche, skulptural überhöhte Verwendung des Materials stellt ganz konkrete Bezüge her, ohne jedoch den modernen Kontext zu verschleiern. Aus diesem Ansatz heraus entstanden die «Africonen», die als speziell entworfene Ausstattungselemente den Freianlagen einen besonderen Charakter geben. Die Objekte sind in ihrer Form aus individuell gewachsenen Baumstämmen abgeleitet und übernehmen verschiedenste Funktionen. Hergestellt sind diese Elemente aus verleimtem und verbolztem Lärchenholz.

Sitzstamm und Kletterstamm

Das größte dieser Elemente ist der 5,50 Meter lange und 1,50 Meter hohe «Sitzstamm». Auch dieser wurde teilweise vorgefertigt, anschließend auf die Baustelle transportiert und erst nach der Aufstellung «formvollendet». Um auch den kleineren Zoobesuchern einen guten Überblick zu ermöglichen, wurde ein spezieller «Kletterstamm» entwickelt. Dazu wurden in die verleimten Objekte mehrere Holzstifte eingesteckt, die auf diese Weise einen leichten Aufstieg ermöglichen. Im gleichen gestalterischen Duktus entstanden auch die Informationselemente für das Gehege. Auf eine ungewöhnliche Weise kann in ihnen die Welt der Zebras und Giraffen entdeckt werden. Dazu wurde der obere Teil des Holzobjektes drehbar gelagert, um die darunter liegenden Abbildungen und Beschriftungen freizugeben, die mit witterungsbeständigen Folien auf die Oberfläche aufgebracht wurden.
 

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