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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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Ein Parcours für Parkour

von Christine Wolf, wbp Landschaftsarchitekten GmbH

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Parkour ist eine in Deutschland noch eine relativ neue Trendsportart mit Läufern, die sich frei im städtischen Raum bewegen. Bisher gibt es in Deutschland erst wenige Orte, an denen stationär trainiert werden kann. Seit 2011 hat auch Bochum einen Parcours für Parkour. Die Parkourfläche liegt in einem Bochumer Stadtteil, der ursprünglich als Universitäts-Wohnsiedlung angelegt wurde. Sie besteht aus einem weitestgehend autofreien Innenraum und 5 bis 7-geschossigen Gebäuden, die sich um grüne Innenhöfe gruppieren. Migranten stellen im Quartier einen sehr hohen Anteil der Bewohner (über 60 verschiedene Nationen), und der überwiegende Teil der Wohnungen sind Sozialwohnungen. Das Quartier hat einen Sanierungsstau und große soziale Probleme. Die zahlreichen Kinder der Anwohner nutzen den Freiraum intensiv für Spiel und Freizeit. Plätze, Wege, Ausstattungselemente wie Brunnen und Spielplätze sind überaltert und teilweise nicht funktionsfähig.

Vor diesem Hintergrund wurde 2007 durch Inwis mit wbp Landschaftsarchitekten, beide Bochum, eine städtebauliche Entwicklungsstudie erarbeitet, die bereits die Wünsche der Bewohner an die Freiräume im Quartier einbezog. Aufbauend auf dieser Studie wurde 2009 eine Rahmenplanung (wbp Landschaftsarchitekten) für das nördliche Plangebiet (Brunnenplatz mit Hustadttor und Parkourfläche) erstellt. Seit 2010 werden erste Maßnahmen umgesetzt: 2010/12 wurde/wird der Brunnenplatz in zwei Bauabschnitten, 2011 der Parcours für Parkour und 2012 der Spielplatz realisiert.

Konzept

Der Brunnenplatz ist der nördliche Platz im Quartier und zeichnet sich durch eine hohe Nutzung vor allem durch viel spielende Kinder aus. Besonders das Fußballspielen führt immer wieder zu Konflikten. Daher war es bei der Neuplanung des Brunnenplatzes wichtig, den Kindern und Jugendlichen Alternativen anzubieten. Am Hustadttor soll daher neben einer großzügigen Platzfläche ein Spielplatz für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren entstehen. Die benachbarte Brachfläche soll zur Sport- und Freizeitfläche für die älteren Kinder und Jugendlichen umgebaut werden.
Die Idee, eine Parkourstrecke anzulegen wurde im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens (Betreuung durch das Stadtumbaubüro Hustadt) von den Jugendlichen des Vereins HuTown im Rahmen eines Workshopverfahrens entwickelt, Das Büro wbp Landschaftsarchitekten hat die Idee aufgegriffen und mit Hilfe des Konjunkturpaketes II aus Mitteln des Bundes, des Landes und der Stadt Bochum 2011 umgesetzt.
Bei dem Grundstück handelt es sich um drei terrassenartig angelegte, seit mehreren Jahrzehnten ungenutzte Stellplatzflächen zwischen dem Wohnquartier und der benachbarten Quartiererschließung. Die oberste der drei Flächen musste als Ausgleich für die, zugunsten des Kinderspiels am Hustadttor wegfallenden Parkplätze, wieder als Parkplatz hergestellt werden. Die Topographie der Fläche mit den verschiedenen Ebenen und der Stützmauer bildet einen spannungsvollen Raum.
Um den Jugendlichen geeignete Trainingselemente für Parkour zur Verfügung zu stellen wurden die Geräte und Abläufe mit Pablo Giese, dem Gründer des Netzwerkes Parkour-im-Pott, einem professionellen Parkourläufer und einem Hersteller dieser Geräte (Firma X-Move) ausgewählt.

Profi Pablo Giese übt seit Ostern mit jungen Leuten aus der Hustadt, auf deren Wunsch diese Anlage verwirklicht wurde. Trainiert wird erst in der Turnhalle, um die Teilnehmer langsam an Parcour heranzuführen. „Kein Anfänger sollte sich direkt auf die Betonelemente wagen. Ohne Vorkenntnisse sind schwere Verletzungen möglich. Das ist auch ein Grund, warum wir ohne Schutzbekleidung trainieren. Die Jugendlichen sollen sich stets ihrer eigenen Grenzen bewusst sein“, sagt Pablo Giese. Er ist sich sicher, dass die Parkouranlage ein Erfolg wird. Im Internet ist eine große Gespanntheit aus der Traceur-Szene zu vernehmen, denn von solchen Anlagen gibt es landesweit noch nicht viele.

Die Parkourgeräte sind inselartig auf der oberen Ebene so angeordnet, dass ein flüssiger Bewegungsablauf zwischen den einzelnen Geräten möglich ist. Die Stationen bestehen aus Beton- und Stahlrohrelementen an denen z.B. Sprung-, Hangel- und Klettertechniken in verschiedenen Schwierigkeitsgraden geübt werden können. So besteht beispielsweise Station I – der sogenannte Preci Block – aus flachen, blockstufenähnlichen Elementen, zwischen denen der Abstand immer größer wird, so dass sichere Absprung- und Landetechniken in einem Abstand von 1,20 Meter bis 3,0 Meter trainiert werden können. Wichtig bei der Konzipierung war auch die Robustheit der Anlage und der Geräte. Die zwei Ebenen werden durch eine Rampe miteinander verbunden. Der Belag wurde aufgrund vorhandener Altlasten aus Asphalt erstellt, der jedoch für das Training sehr gute Eigenschaften hat (Griffigkeit und Härte). Um die Fläche aufzulockern, wurden die Geräte in maigrüne Inseln aus einem Fallschutzbelag gesetzt.

Der Parcours ist in der Parkour-Szene mittlerweile ein „fester Begriff“. Dieser wird aber nicht nur von Jugendlichen, sondern auch zunehmend von Kindern genutzt, die durch die erfahrenen Parkourläufer zu Bewegung animiert werden – in einer Zeit des Bewegungsmangels bei Kindern und Jugendlichen daher ein wichtiger Beitrag für den Spaß an sportlichen Aktivitäten. Hier zählt zudem nicht die Nationalität, sondern allein das Können und die Geschicklichkeit der Jugendlichen. „ Planung und Gestaltung sollten die Kommunikation und Interaktion der Spielflächen-Nutzer untereinander besonders stark beachten und den interkulturellen Dialog fördern“ schildert Andrea Baltussen vom Grünflächen- und Umweltamt der Stadt Bochum.
Der Parkour wird am 24.6.2012 (14.00- 16.00 Uhr) im Rahmen des Tages der Architektur der AKNW 2012 präsentiert und von Pablo Giese und Team „bespielt“.

 

Auftraggeber: Stadt Bochum, Grünflächen- und Umweltamt vertreten durch Andrea Baltussen
Planung: wbp Landschaftsarchitekten, Bochum / Rebekka Junge und Christine Wolf
Mitarbeiter: Planung: Kathrin Hitschfeld
Ausschreibung und Bauleitung: Christian Hagemann
Parkourabläufe, Geräte: Pablo Giese und Firma X-Move
Baufirma: Fa. Helm, Witten
 

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