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Playground@Landscape

Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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Bewegte Stadtlandschaft

von DI Karl Grimm und DI Dr. Dagmar Grimm-Pretner

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Wie wird aus einem unattraktiven und wenig genutzten öffentlichen Platz in zentraler Lage ein international beachteter Hotspot? In Tirol wurde mit dem Innsbrucker Eduard-Wallnöfer-Platz darauf eine Antwort gefunden, die das Interesse von Landschaftsarchitekten und Architekten sowie der Skaterszene gleichermaßen auf sich zieht.

„Viel Freiraum um Tricks zu lernen“ loben die Jugendlichen den neuen Platz. Nicht nur aus den Nachbargemeinden, auch aus dem süddeutschen Raum reisen Skater an, um diesen Platz, der anders ist, zu erleben. Dabei wurde gar keine Skateranlage gebaut, sondern eine architektonisch hochstehende Freiraumgestaltung an einem geschichtsträchtigen Ort realisiert. Nicht nur Skater sind hier anzutreffen, sondern alles was Räder und keinen Motor hat, natürlich auch Fußgänger, die den Platz nutzen, das Spektakel beobachten oder auch nur queren.

Der Eduard-Wallnöfer-Platz, benannt nach einem ehemaligen Tiroler Landeshauptmann (das entspricht einem deutschen Ministerpräsidenten), liegt vor dem Innsbrucker Regierungssitz, dem sogenannten Landhaus. Das Gebäude wurde in der NS-Zeit als monumentaler Repräsentationsbau errichtet. Der Platz selbst entstand nach dem Krieg anstelle eines Gebäudeblocks, als die französische Militärregierung ein Befreiungsdenkmal mit offenem Umfeld anlegen ließ. Dieses Siegestor steht in der Achse des Gebäudeportals und scheint mit diesem eine Einheit zu bilden. Im Laufe der Jahre wurden am Platz weitere Denkmäler abgestellt und eine Tiefgarage errichtet. Genutzt wurde der Platz kaum, Verfallsspuren zeigten sich an Plattenbelägen und Grünflächen.

Für einen Relaunch des Platzes veranstaltete das Land Tirol 2008 einen zweistufigen, nicht offenen, baukünstlerischen Wettbewerb, den die Arbeitsgemeinschaft aus LAAC Architekten und Stiefel Kramer architecture gemeinsam mit dem Künstler Christoph Grüner für sich entscheiden konnte.

Die neue Gestaltung löst sich von herkömmlichen Vorstellungen eines Parks oder eines Platzes. Eine geschlossene Platzskulptur nimmt die Objekte aus der Vergangenheit auf und verbindet sie zu einem schlüssigen Ort.
Die Geländeoberfläche bildet Täler, die als Wege dienen, und Hügel, die Aufenthaltssorte und Rückzugsbereiche sind. Die künstliche Topografie bindet die Denkmäler und Tiefgaragenabgänge ein und ermöglicht Baumpflanzungen über der Garagendecke. Das einheitliche Material erfährt eine subtile Gliederung durch unterschiedliche Oberflächentexturen von sandgestrahlt und rau bis zu poliert und spiegelnd glatt.

Die gesamte Platzoberfläche besteht aus Ortbetonfeldern. Die bis zu 100 m² großen Platten sind durch Querkraftdornen miteinander verbunden.
Es kam ein hochwertiger Spezialbeton auf Weißzementbasis mit verschiedenfärbigen Graniten als Zuschlagstoff zur Anwendung. Die fließenden Betonformen wurden vor Ort gegossen und anschließend gefräst. Geplant wurde in 3D-Modellierungsprogrammen, in CAD und CAM, die Geometrien wurden mit Hilfe von Schablonen umgesetzt. Ein wechselndes Erscheinungsbild wurde durch fräsen, sandstrahlen und polieren der Oberflächen erreicht. Hydrophobierung und Nanobeschichtung unterstützen die Reinigung, die durch regelmäßiges Kehren und Dampfreinigung mehrmals im Jahr vorgesehen ist.
In den Plattenfugen sind Schlitzrinnen für die Entwässerung unauffällig integriert. Das Oberflächenwasser wird unter dem Platz versickert.
Noch spenden vor allem die angrenzenden Gebäude Schatten, in einigen Jahren werden dies die 36 neu gepflanzten Bäume tun. Die Baumscheiben sind mit schwarzen Metallrosten bündig in die weißen Betonhügel über der Tiefgarage eingelassen.

Der Eduard-Wallnöfer-Platz wird als große Skater-Arena angenommen, er ist aber auch modelliertes Terrain für Radfahrer, Inline-Skater und Trittroller. Kleine Kinder laufen über die Hügel und springen von den Kanten. Ein Wasserspiel und eine Brunnenanlage werden im Sommer in das Spiel miteingebunden.

Die Attraktivität des Platzes liegt zum Teil in seinem Ausmaß von fast 9.000 m² und in der Vielfalt an Oberflächenformen begründet. Die Hügel, Falten, Wellen und Kanten sind unterschiedlich ausgeformt und nicht nach spezifischen Anforderungen von Skatern optimiert. Aber gerade dieser Aspekt macht Orte für viele Skater interessant. Diese sogenannten „gefundenen Orte“, im Gegensatz zu den „konstruierten Orten“ der Skateranlagen, sind oftmals öffentliche Plätze im Zentrum der Städte. In der Fachliteratur werden vier Dimensionen identifiziert, die Orte für Skater attraktiv machen und die am Eduard- Wallnöfer-Platz ganz offensichtlich zutreffen: Der Ort muss gut erreichbar und bekannt sein; er muss sich für Treffen, zum Entspannen, Beobachten und „Rumhängen“ eignen. Ein geringes Ausmaß möglicher Konflikte mit anderen Nutzern ist ebenso relevant wie die Bandbreite der möglichen Tricks. Am Eduard-Wallnöfer-Platz gibt es vom Anfänger bis zum Könner vieles auszuprobieren und zu entdecken. Ihn auf ein Skaterparadies zu reduzieren, greift allerdings viel zu kurz.

Das Prinzip des Ausprobierens, des Entdeckens, gilt auch für alle anderen Nutzer. Abseits des Straßenverkehrs lassen Eltern ihre Kleinen hier die ersten Versuche auf Laufrad und Fahrrad machen, andere schnallen nach vielen Jahren ihre Inline-Skates wieder an. Die Wegeführung für Fußgänger wird durch die Topografie gelenkt, ohne dass Wege gekennzeichnet sind.

Die homogene Betondecke schafft die Einheitlichkeit, die den Platz definiert. Gewagte Oberflächenformen und subtile Oberflächentexturen erzeugen jene Vielfalt in der Einheit, die ein spannendes Raumerlebnis aufbaut und viele Nutzungen zulässt. Die Abwesenheit von Festlegungen am Platz signalisieren aber auch, dass er für alle da ist. Darin liegt eine wesentliche Qualität. Der Eduard-Wallnöfer-Platz ist kein herkömmlicher Jugendspielplatz, kein Arrangement von Einzelelementen. Der schlüssige Platzentwurf integriert die Spielfunktionen. Die konsequent einheitliche landschaftsarchitektonische Komposition lädt zur vielfältigen Nutzung und zur Aneignung durch die Nutzerinnen und Nutzer ein.


Weitere Informationen:
Ass.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Dagmar Grimm-Pretner
(Institut für Landschaftsarchitektur (ILA), Universität für Bodenkultur Wien)
Dipl.-Ing. Karl Grimm
(Karl Grimm Landschaftsarchitekten Wien)
 

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