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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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19.08.2016 - Ausgabe: 4/2016

Grüne Oase mit Keltenspielplatz

Von Elisa Scheibl (NRT Narr . Rist . Türk Landschaftsarchitekten BDLA Stadtplaner & Ingenieure)

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Bei der Sanierung und Umgestaltung des Stadtparks in Erding war das Ziel eine sensible und naturschutzfachlich abgestimmte Pflege des Gehölzbestandes, welche das Nutzungsspektrum des Parks an die Bedürfnisse der Bevölkerung anpasst und eine am Leitbild des historischen
Landschaftsparks orientierte Raumaufteilung mit vielfältigen Blickbeziehung schafft. Einen Schwerpunkt bildet der Bereich um den neuen Keltenspielplatz 'Weniadunum' und die Öffnung des Parks zur Sempt mit Sitzstufen.

Der Stadtpark Erding erstrahlt seit seiner Wiedereröffnung im Juni 2013 wieder in neuem Glanz. Er ist das grüne Herz der Stadt Erding und wurde 1822 von Freiherr Walter von Grainger als englische Parklandschaft angelegt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist der Stadtpark durch Wildwuchs und Pflegedefizite immer mehr zugewachsen und es gab kaum noch freie Flächen. Das Wegenetz wurde durch die vielen Trampelpfade unübersichtlich. Die unbefestigten Ufer der Sempt waren in vielen Bereichen durch den hohen Nutzungsdruck von Wasservögeln und Menschen zerstört bzw. in ihrer Funktion stark beeinträchtigt worden. Auch der Spielplatz entsprach nicht mehr den Anforderungen an einen stadtbedeutsamen, modernen, pädagogisch orientierten Spielort für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen.

Da der Park einem hohen Nutzungsdruck unterliegt, mussten die Eingriffe sehr sensibel und dialogorientiert durchgeführt werden. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeiten war es, eine sensible und naturschutzfachlich abgestimmte Pflege des Gehölzbestandes zu erarbeiten. Dabei wurde das Nutzungsspektrum des Parks an die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse der Bevölkerung anpasst und eine am Leitbild des historischen Landschaftsparks orientierte Raumaufteilung mit möglichst zusammenhängenden Freiräumen und vielfältigen Blickbeziehungen geschaffen. Die ökologische Diversität des Bestandes wurde verbessert und durch die Maßnahmen kommt nun der wertvolle Baumbestand besser zur Geltung. Dabei sollte nicht der Zustand von 1822 wiederhergestellt werden, vor allem aufgrund der Qualität des Gehölzbestandes. Dies hätte die Umgestaltung stark eingeschränkt. Es wäre ein Gartendenkmal entstanden und nicht der Stadtpark, wie er sich heute präsentiert:

Ein attraktiver Erholungs- und Erlebnisraum, der sich an den aktuellen Bedürfnissen der Menschen orientiert. Der Park schafft durch seine neuen Angebote wieder ein interessantes und attraktives Ziel für alle Altersgruppen. Aber auch die ökologische Diversität wurde verbessert und der Park dient jetzt als Rückzugs- und Lebensraum für viele unterschiedliche Tiere und Pflanzen.

Ein Parkleitsystem bittet den Besuchern Informationen zu den verschiedenen Bereichen. Der Stadtpark bietet den Läufern zahlreiche schöne Laufstrecken unterschiedlicher Länge. Über die Informationstafel kann man sich über die verschiedenen Distanzen der Laufstrecken informieren. Beim Lauf-ABC erfährt man, wie man die Lauftechnik optimiert und gleichzeitig Verletzungen vorbeugen kann.

Für Kultur- und Kunstinteressierte führt ein Kunstparcour entlang des Hauptrundweges. Die festen Anlaufpunkte, wie zum Beispiel die alten Denkmäler und Eingangstore, werden im Kunstparcours immer wieder durch aktuell wechselnde Kunstobjekte ergänzt.

Den Kindern bietet der neue Spielplatz WENIADUNUM viel Platz zum Austoben. Er präsentiert sich in der Form eines keltischen Dorfs als Abenteuerspielplatz. Das Spielplatzkonzept wurde mit einem Archäologen abgestimmt und in Anlehnung an ein „Keltisches Runddorf“ in Südbayern entwickelt. Das Keltendorf bietet zum Einen hervorragende Spielmöglichkeiten für die verschiedenen Altersgruppen und zum Anderen einen spielerischen Einstieg in die Keltenzeit. Aber auch ohne das Interesse für die Keltenzeit ist der Spielplatz für Eltern und Kinder gut nutzbar. Für Interessierte (zum Beispiel Schulklassen) findet man Informationen über diese Zeit in einem der Keltenhäuser.

Am südlichen Eingang führt der Weg auf den Spielplatz durch ein keltisches Tor zum „Keltendorf“. Das Runddorf schließt einen großzügigen Sandspielbereich für die Altersgruppe 0-3 Jahre ein und bietet den Eltern bzw. Aufsichtspersonen Sitzmöglichkeiten. Direkt nach dem Tor öffnet sich ein großzügiger Platz mit einer Kombination aus drei Keltenhäusern, von denen zwei als offene Ständerbauten mit Sitzgelegenheiten und großem Tisch ausgebildet werden. Auf einer Informationstafel im dritten der reetgedeckten Keltenhäuser führen die Keltenkinder Epona und Vindelico ihre Besucher in verschiedenen Szenen durch das keltische Leben. Bilder von Ausgrabungsgegenständen stellen den Bezug zur Geschichte Erdings her. Ein Zeitstrahl ermöglicht es den heutigen Kindern, sich gedanklich in die Keltenzeit zu begeben. Die kleineren Hütten (Pfahlhäuser) im Sandbereich des `Runddorfes´ sind keltisch inspirierte Spielkombinationen mit Aufenthalts- und Rückzugsmöglichkeit für die Kinder im Alter ab 3 Jahren.

Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes ist der besteigbare Keltenturm, der sich wie ein Wahrzeichen über den Spielplatz erhebt. Eine Röhrenrutsche bringt die Kinder in einer atemberaubenden Fahrt wieder nach unten.

Im Sandbereich wird ein von einem Wall umgebener, etwa rechteckiger Spielbereich für die Kleinkinder angelegt, welcher an ein mit Wall und Graben eingefriedetes Gehöft im Zentrum des Dorfes erinnern soll. Weitere Elemente wie Findlinge (Hinkelsteine) oder ein Spielbrunnen ergänzen die keltische Idee.

In das angrenzende Wäldchen hinein erstreckt sich ein Niederseil-Klettergarten, ein Kletterspielplatz mit Slacklines, Balancier- und Klettergeräten und einer Seilbahn. Ausgangspunkt des Klettergartens ist ein Baumhaus im Sandbereich.
Richtung Süden, jenseits des Hauptweges, schließt eine ausgedehnte, offene Wiesenfläche an. Sie lädt ein, zum Bewegen, zum Ballspielen oder zum Sport. Gesäumt wird diese Wiese durch Elemente aus großen Steinen / Findlingen und Holzstämmen. Sie können als Spielgeräte ebenso genutzt werden wie als Sitzgelegenheiten.

Im Jahre 2010 wurde ein größeres zusammenhängendes Gebiet, das Mayr-Wirt-Gelände, südöstlich der S-Bahn durch die Stadt Erding erworben. Dadurch ergab sich die historisch einmalige Chance, den Stadtpark in seiner Gesamtfläche deutlich zu vergrößern. Dadurch wurde dem Ausstattungsspektrum des Parks mit einer dezidiert extensiven, naturnahen Zone eine neue Facette hinzugefügt, welche den Freizeit- und Erholungswert maßgeblich gesteigert hat.

Es wird eine behutsame naturpädagogische Nutzung des Areals für Schulklassen und Kindergartengruppen durch eine Aussichtsplattform und ein `Grünes Klassenzimmer´ auf der Halbinsel zwischen Sempt und Altarm ermöglicht.
Über interessante und typische Pflanzen und Tiere kann man sich über die naturkundlichen Tafeln informieren. Zum Beispiel zum Thema Streuobstwiese mit seinen Blütenpflanzen, Insekten der Wiese und alten Obstsorten oder das Thema stehendes/ruhiges Gewässer mit den dort lebenden Fischen, Amphibien, Insekten und Wasserpflanzen.

Die gezielte Öffnung des Parks zur Sempt in Teilbereichen war ein weiterer Schwerpunkt in der Umgestaltung des Stadtparkes. Die Flussböschungen sind durch Sitzstufen zugänglich und nutzbar gemacht worden, nun dienen sie zur Erholung, Naturbeobachtung und als Sonnenterrasse. Diese zugänglichen Bereiche wechseln sich ab mit naturnahen, nicht betretbaren Abschnitten. Diese Bereiche dienen der Entwicklung der standorttypischen Flora und Fauna.

Der Stadtpark ist ein Ort der Begegnung, der Kommunikation, aber auch der Ruhe und Entspannung und er bietet Platz für ein friedliches Mit- und Nebeneinander.

 

Foto: NRT Narr . Rist . Türk Landschaftsarchitekten BDLA Stadtplaner & Ingenieure

 

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(Erster Beitrag erschienen in der Playground and Landscape Ausgabe 4 / 2019).