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Skatepark Saarbrücken – ein Areal für olympische Ansprüche?

Von Norbert Szombati, LNDSKT - Planungsbüro für Skateparks (Skatepark Planung & Marketing)

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Hat die Teilnahme von Skateboarding an den Olympischen Spielen Einfluss auf den Bau lokaler Skateparks?

Im Sommer 2020 feiert Skateboarding seine olympische Premiere bei den Sommerspielen in Tokyo. Dort werden jeweils 40 Männer und Frauen aus aller Welt antreten, um sich in den Disziplinen ‚Street‘ und ‚Park‘ um Gold, Silber und Bronze zu messen. Die Jugendkultur Skateboarding im Spannungsfeld zwischen Kommerzialisierung und Versportlichung - eine Entwicklung, die in der Skateboard Community durchaus kritisch betrachtet und kontrovers diskutiert wird. Doch macht sich diese Entwicklung auch bei der Planung und beim Bau von Skateparks bemerkbar? Werden Skateparks in Zukunft gar wie andere Sportanlagen vom IOC standardisiert? Der von LNDSKT geplante Skatepark Saarbrücken wurde im April 2019 neu eröffnet und dient somit als aktuelles Beispiel zu dieser Thematik.

Der 740 m² große Skatepark befindet sich inmitten einer neun Hektar großen Parkanlage, dem historischen Bürgerpark. Die Anlage wurde auf den Trümmern des zerstörten Kohlehafens von Peter Latz als Ansatzpunkt einer ökologischen Stadterneuerung in der Zeit von 1985-1989 geplant und gemeinsam mit Schülern, Studenten und Anwohnern der Umgebung realisiert und wurde mit dem Landschaftsarchitekturpreis des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) ausgezeichnet.

Um die Jahrtausendwende herum wurden einige Skate-Elemente in Form von Beton-Fertigteilen auf die bestehende Asphaltfläche im Bürgerparks installiert. Zu dieser Zeit war dies in Deutschland die übliche Methode Skateanlagen zu realisieren, aus dem Fertigteil-Katalog und meist ohne Beteiligung der lokalen Nutzer. Seitdem hat sich Skateboarding weiterentwickelt bis hin zu einer olympischen Sportarten und damit auch die Bedürfnisse der Skater als Großteil der Nutzergruppe.

Heute hat sich die Ortbeton-Bauweise nach US-amerikanischem Vorbild auch hierzulande etabliert, da sie das höchste Maß an individuellen Gestaltungsmöglichkeiten bietet und somit potentiell jede Anlage zum Unikat macht. Anders als beim Fußball oder Basketball, unterstützt selbst der Weltverband ‚World Skate‘, der verantwortlich für die sportlichen Richtlinien von Skateboarding in Tokyo 2020 ist, die individuelle Gestaltung von Skateparks.

Weiterhin haben Skateboarder gelernt, sich in Vereinen zu organisieren und ihre Vorstellungen und Visionen von ihrem Platz zum Skaten gemeinsam an Städte und Gemeinden heranzutragen. Heutzutage ist eine Planung ohne Berücksichtigung einer Beteiligungsgruppe aus lokalen Nutzern schon fast nicht mehr denkbar. Wie schon in den 1980er Jahren waren auch bei der Entstehung des neuen Skateparks für den Bürgerpark die Bürgerinnen und Bürger bzw. Nutzerinnen und Nutzer stark in das Projekt involviert.

Die Nutzer äußern in Beteiligungs-Workshops ihre Wünsche, welche meist aus sehr konkreten Vorstellungen einzelner Elemente bestehen - z.B. ein Stufenset mit Handlauf. Diese Wünsche werden vom Planer aufgenommen und unter Berücksichtigung verschiedenster weiterer Faktoren wie Fläche, Budget, Umfeld, Aufenthaltsqualität, Ziele des Auftraggebers, usw. in ein stimmiges Gesamtkonzept gebracht.

 

Stufenset mit Handlauf und ein Bowl in Saarbrücken

Im Fall Saarbrücken hat das Planungsbüro LNDSKT aus Köln als Fachplaner für Latz + Partner in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Saarbrücken, dem Saar Skateboarding e.V. und weiteren Beteiligten das Design entwickelt. Ziel war es, ein Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu schaffen, das den Bürgerpark belebt, das städtische Leben bereichert und einen wesentlichen Teil zur interkulturellen Verständigung und Integration beiträgt. Lukas Junk, Vorsitzender des Vereins Saar Skateboarding e.V., und seine Mitstreiter haben nicht nur bei der Planung der neuen Skater-Anlage im Bürgerpark Saarbrücken mitgewirkt. Sie haben auch 80.000 Euro Spenden gesammelt. Die restlichen Kosten des insgesamt 484.000 Euro teuren Skateparks tragen zu je einem Drittel Bund, Land und Stadt.

Die generelle Herausforderung für den Planer von Skateparks besteht vor allem darin, die richtigen Kompromisse im Sinne eines stimmigen Gesamtkonzepts zu machen, denn die Wünsche der Nutzer liegen in nahezu allen Fällen weit über den zur Verfügung stehenden Mitteln. Im Bürgerpark explizit gewünscht waren ein Stufenset mit Handlauf und ein Bowl. Beides Elemente, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zudem werden diese ausschließlich von Fortgeschrittenen genutzt und nehmen verhältnismäßig viel Fläche ein. Aus sportlicher Sicht repräsentiert ein Stufenset, als Replikat eines städtischen Mobiliars, die olympische Disziplin ‚Street‘. Der Bowl mit seinen organischen Formen repräsentiert die olympische Disziplin ‚Park‘. Eine Zusammenführung beider Elemente in eine Einzige ist aufgrund stark unterschiedlicher Fahrgeschwindigkeiten absolut nicht zu empfehlen.

Eine baulich voneinander getrennte Umsetzung im stimmigen Gesamtkonzept erfordert eine Fläche von ca. 1.500 m2. Diese Problematik von ‚Street’ vs. ‚Park’ bestand allerdings schon bevor die Diskussion um Skateboarding und Olympia überhaupt in die Öffentlichkeit rückte. Man kann also davon ausgehen, dass die stark unterschiedlichen Wünsche eher kulturellen Ursprungs und mit der Vielseitigkeit von Skateboarding begründet sind. Der entscheidende Faktor und gemeinsame Nenner ist der Spaß am Skateboard fahren. Somit wurden für das Skatepark Design in Saarbrücken zunächst die essentiellen Elemente der beiden Disziplinen definiert und anschließend in angepasster Form auf der begrenzten Fläche zusammengeführt. Das alles wurde in eine vorhandene Parzelle topographisch elegant in den Bestand eingebettet und nutzt die vorhandenen Strukturen und räumlichen Gegebenheiten. Die Zuschauer und pausierenden Skaterinnen und Skater haben auf der Rasentribüne perfekten Überblick über das Geschehen und finden an heißen Tagen Schatten unter den Kiefern und Wildkirschen. Das Arrangement an Elementen greift Material und Farbsprache des existierenden Bürgerparks auf. Es wirkt als wäre der Skatepark schon immer da gewesen.

 

Fazit

Ein Skatepark im öffentlichen Raum ist in erster Linie ein Ort des Zusammenkommens und keine Arena für Wettkämpfe oder ein Leistungs-Sportzentrum. Das gemeinschaftliche Verbringen von Freizeit mit hoher Aufenthaltsqualität ist entscheidend. Die Möglichkeit für Einzelne sich auf den nächsten Wettbewerb vorbereiten zu können, wird auf begrenzter Fläche stets zweitrangig bleiben. Dieser Aspekt wird erst bei größeren Anlagen, welche auch als Wettkampfort dienen sollen, zu Gewicht kommen. Ob sich die Teilnahme von Skateboarding an den Olympischen Spielen auf die Planung von lokalen Skateparks auswirken wird? Nicht im Bürgerpark Saarbrücken und auch nicht in den allermeisten zukünftigen Planungen.

 

Foto: LNDSKT

 

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