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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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Spiel und Sport in den Freianlagen der Mahlsdorfer Grundschule

von Claus Herrmann, Partner von hochC Landschaftsarchitekten PartGmbB

Photo
© hoch C Landschaftsarchitekten, Marcus Witte

Besucher spüren kaum, dass sie sich in Berlin befinden, wenn sie sich durch das eher kleinstädtisch und durch viele Einfamilienhäuser geprägte grüne Viertel im Norden von Mahlsdorf dem weitläufigen Schulgelände nähern. Und dabei ist Mahlsdorf nur wenige S-Bahnminuten von der Stadtmitte entfernt!Vor dem Hintergrund von Denkmalschutzauflagen, schwieriger Entwässerungssituation und ambitionierten Anforderungen an umfassende Sport- und Spielangebote war uns schnell klar, dass es sich hier um eine spannende und komplexe Planungsaufgabe handelt.

Die Mahlsdorfer Grundschule wurde im Jahr 1937 eingeweiht, das Hauptgebäude und das unmittelbare Umfeld sind denkmalgeschützt. Es gibt zwei Schulgebäude aus jüngerer Zeit sowie eine neue Turnhalle. Das Schulgelände liegt im Norden des kleinstädtischen und mit vielen Einfamilienhäusern geprägten Stadtteils Mahlsdorf und umfasst eine Fläche von ca. 16.000 m². An der durch die wachsenden Grundschülerzahlen expandierenden Grundschule werden derzeit 490 Kinder durch 32 Lehrerinnen und Lehrer unterrichtet sowie von 20 Erzieherinnen und Erziehern betreut. Die Schule legt großen Wert auf eine ruhige und ergebnisorientierte Lernatmosphäre. Für die Kinder mit Nachmittagsbetreuung wird bis abends um 18 Uhr die „offene Ganztagsbetreuung“ gewährleistet.

Die hier vorzustellende Neugestaltung der Mahlsdorfer Grundschule dauerte etwa 2 Jahre und wird Anfang 2020 abgeschlossen. Der parallel zur Baumaßnahme fertiggestellte Turnhallenneubau und die mobilen Unterrichtsräume (MUR, aufgestellt 1994) wurden in das Außenraumkonzept eingebettet und ergeben so nun ein einheitliches Gesamterscheinungsbild.

 

Konzept

Das Entwurfskonzept basiert auf der Idee, Grünräume mit Bäumen und Spielbereichen in Inseln zu bündeln, die gleichsam in einem pflasterumspülten Freiraum „schwimmen“. Unterstützt wird das Bild von „Inseln und Pflastermeer“ durch die geschwungene und abgerundete Formensprache, die die natürlichen, spontanen und fließenden Bewegungsmuster von Kindern unterstützen soll. Diese Grün- und Aktionsinseln werden mit Rasenflächen oder Fallschutzkies versehen und nehmen auf die Kronenbereiche der vielen Bestandsbäume Rücksicht. Dabei wurde schon bei der Konzeptfindung sehr darauf geachtet, die zahlreichen Baumbestände weitestgehend zu erhalten. Bestandsbäume werden in das „Inselkonzept“ integriert, unterschiedliche Nutzungs- und Spielbereiche in die Inseln hinzugefügt. Die Aktions- oder Spielinseln wurden mit Fallschutz aus Sand oder Holzhäckseln ausgestattet, während die Grüninseln mit Rasen oder Strauchpflanzungen gestaltet wurden.

Teile der angrenzenden Flächen in den westlichen Bereichen des Schulaltbaus bleiben weitestgehend unangetastet erhalten.

 

Ausstattung und Vegetation

Die schattenspendenden Bestandsbäume sind ein großer Pluspunkt des Schulgeländes, diese wurden durch weitere Hochstämme und Grünflächen ergänzt. Rasenflächen wurden mit Solitärsträuchern überstellt, in den hellen Bereichen mit überwiegend heimischen Blühsträuchern sowie schattenverträglichen Kleinsträuchern unter den Bäumen. Der charakteristische Freiraum aus Inseln und Pflastermeer kontrastiert spannungsvoll mit den geometrischen Formen der angrenzenden Gebäude und wirkt sehr vielfältig und lebendig. Die Randeinfassungen der Inseln bestehen teilweise aus geschwungenen sonderangefertigten und gelb durchgefärbten Betonbänken und werden sehr gut angenommen. Gleichzeitig begrenzen sie die Inseln und lenken die Lauf- und Bewegungsströme der durch das Schulgelände tobenden Kinder.

Bestandsbänke und Tischkombinationen werden aufgearbeitet und wieder eingebaut.

Gleiches gilt für Mosaik-Bestandspflaster, das in Randbereichen neue Verwendung findet. Die wesentlichen Flächen des Schulhofes werden in hochversickerungsfähigem und farblich changierendem Arena-Pflaster ausgeführt.

 

Spiel- und Pausenflächen

Die Spielplatzflächen für die Grundschüler sind thematisch in unterschiedliche Altersklassen eingeteilt. Dabei werden für die Erst- und Zweitklässler die vorderen eher dem Altbau zugeordneten Bereiche vorgesehen. Es sind vorrangig Sand- bzw. Fallschutzsandflächen mit zwei großen altersgerechten Spielgeräten zum Hangeln, Klettern und Rutschen sowie Buddeln geplant. Im mittleren und hinteren Bereich können sich die größeren Kinder aufhalten. Für diese wurden Trampoline, Fußball- und Streetballfelder geplant. Teilweise können die Inseleinfassungen zum Sitzen bzw. Balancieren genutzt werden. Die Kombi- Spielgeräte wurden hauptsächlich aus Robinienkernholz hergestellt. Die zwei vorhandenen Tischtennisplatten und mehrere Spielhäuser wurden überarbeitet und wie auch die vor Ort vorhandenen Findlinge weiterverwendet und umgesetzt.

 

Sportflächen

Das große Fußball-Spielfeld, der Streetballplatz sowie die Laufbahn mit anschließender Weitsprunggrube wurden an der nördlichen Seite positioniert. Dabei handelt es sich aus Platzspargründen um eine kombinierte Weitsprung- und Laufbahnanlage. Die beiden Bahnen sind 50 Meter lang und sind wie das grüne Fußballfeld aus farbigen Kunststoffbelägen hergestellt.

Der Streetballplatz wird in Asphalt ausgeführt und mit bunten Bodenmarkierungen versehen. Alle sechs vorhandenen Tore sowie Ballfangzäune wurden umgesetzt und weiterverwendet. Zwei weitere Basketballkörbe sowie Ballfangzäune werden ergänzt.

 

Schulgarten und Grünflächen

Im Randbereich des Schulhofes bleibt die vorhandene Freifläche unter dem Baumbestand zum Großteil erhalten und wurde ergänzt. Ein Bereich zum Spielen, Fangen und Verstecken unter den Bäumen wurde hier geschaffen.

Die sich rund um die MUR befindende Grünfläche am östlichen Rand des Geländes wird zunächst nur als Rasenfläche mit einzelnen Sträuchern am Rand gestaltet. Hier wird inzwischen durch die Schule und die schuleigene Garten-AG die Möglichkeit wahrgenommen, einen Schulgarten anzulegen und stetig weiterzuentwickeln. Den Wünschen der Garten- AG entsprechend wurden vorab bereits Beerensträucher und Obstbäume gepflanzt.

Die neuen „grünen Inseln“ mit den Bestandsbäumen wurden zum Teil mit

schattenverträglichen Kleinsträuchern unterpflanzt, die Inseln ohne Großbäume mit

Blühsträuchern.

 

Ausstattung

Die Inseln in der Schulhoffläche wurden abschnittsweise durch Einfassungen aus individuell entworfenen Betonbänken in geschwungener Form flankiert, während die Bestandsbänke und Bank-Tisch-Kombinationen hergerichtet und anschließend wieder auf dem Schulhof aufgestellt werden. Durch die zusammengestellten Bänke entstehen vielfältige Möglichkeiten zum gruppenweisen Treffen und zum raumflexiblen Lernen in „Grünen Klassenzimmern“ auf dem Hof.

Der Hauptverbindungsweg entlang des Schulgebäudes wird bereits über Fassadenleuchten verkehrssicher beleuchtet. Dies soll sich entlang des Turnhallenneubaus fortführen, und das Ganze wurden durch einige wenige Mastleuchten ergänzt, um den Wegebereich zum MUR ausreichend zu beleuchten. Der neue Zugangs-und Pflegeweg hinter der MUR und Turnhalle wird mit Mastleuchten versehen.

 

Einfriedung/Topographie

Das komplette Areal wird durch neue Zäune bzw. Hecken eingefasst. Zudem wurde die Topographie im Norden und Osten des Grundstücks modelliert und an die Bestandssituation angepasst.

 

Gestaltungskonzept/ Oberflächen

Die befestigte Fläche des Schulhofs wurde durch das für den Schulhof sehr charakteristische und bislang in Berlin kaum eingesetzte ARENA-Pflaster gestaltet. Dabei handelt es sich um ein abgerundetes Betonsteinpflaster mit größerem Fugenanteil und mit einem hohen Versickerungsfaktor. Die Bauminseln wurden hauptsächlich mit Rasen und Solitärsträuchern bepflanzt und wahren weiterhin den grünen Charakter des Schulhofes. Des Weiteren sind Spielinseln mit Sand oder Fallschutzkies vorgesehen. Großsteinpflaster wurde im Bereich der Zufahrt auch aus Denkmalschutzgründen wieder eingebaut.

 

Regenwassermanagement

Das Regenwasser aus den Außenanlagen entwässert in die Grünflächen und leicht tiefer gelegte grüne Inseln und wird trotz der schwierigen Lehmbodenverhältnisse über diverse Einläufe in Rigolen weitestgehend zur Versickerung gebracht.

 

Fazit

Durch das engagierte Zusammenwirken von Schule, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf namentlich Frau Franke, der ausführenden Firma Fiedrich und einer engagierten Bauleitung durfte hochC Landschaftsarchitekten hier eine besondere Schulhofgestaltung realisieren. Der in seiner Formensprache charakteristische Schulhof wird von den Schülerinnen und Schülern sehr gut angenommen und wird mit seinen vielfältigen Spiel- und Sportangeboten hoffentlich für viele Jahre eine Bereicherung für Mahlsdorf und seine Kinder sein.

 

 

Eckdaten

Schulhof mit Sportanlagen an einer denkmalgeschützten Schule in Berlin-Mahlsdorf

Fläche: ca. 1,4 ha

Baukosten: ca. 1,4 Mio. € brutto

Planungs- und Bauzeit: 2017 – 2019

Planung: Leistungsphase 1 bis 8 : hochC Landschaftsarchitekten PartGmbB

Auftraggeber: Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin, Projektleitung Frau Gerhild Franke

Spielgeräte: krambamboul

Ausführende Firma: Bernd Fiedrich GmbH Garten- und Landschaftsbau

 

 

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