Logo

Playground@Landscape

Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

Slide 0
Slide 1
Slide 2
Slide 6
Slide 7

Schulleben planen – am besten gemeinsam: Ein ermutigendes Beispiel aus Neustadt am Rübenberge

Von Burkhard Jonck (Kooperative Gesamtschule Neustadt am Rübenberge), Hermann Städtler (Bewegte Schule), Andrea Wendland (Wendland, Pötter, Kriebelt, Landschafts- und Freiraumplanung GbR), Arne Nuttelmann (Stadt Neustadt am Rübenberge)

Photo
© Wendland, Pötter, Kriebelt GbR

Die Kooperative Gesamtschule Neustadt ist eine Schule im ländlichen Raum mit 1.500 Schülerinnen und Schülern. Sie vereint alle drei Schulzweige kooperativ und führt bis zum Abitur. Die KGS Neustadt ist für das sogenannte Neustädter Modell der Berufsorientierung mehrfach für ihre Abschluss- und Anschlussorientierung in der Zusammenarbeit mit der Berufsbildenden Schule Neustadt und der Kooperation mit regionalen und überregionalen Firmen bundesweit ausgezeichnet worden.

Außerdem fungiert sie als Modellschule für das niedersächsische Programm der ‚Bewegten Schule‘. 

Die Notwendigkeit der Planung ergibt sich zunächst aus dem pädagogischen Profil und aus dem baulichen Zustand der Schule, der man das Alter von 45 Jahren vor allem im Außengelände deutlich ansieht. 

Selbst wenn in der Vergangenheit vereinzelte Nachbesserungen des schulischen Raumprogramms zu Veränderungen des Außenraums geführt haben, wie z.B. attraktive moderne Sportanlagen mit Freilufthalle und Angeboten für Skater, ist Handlungsbedarf für den Innen- und Außenbereich geboten.

Hierüber eine gemeinsame Haltung zwischen der Stadt Neustadt und der KGS  zu erzielen, ist die wichtigste Gelingensbedingung für den Eintritt in die gemeinsame Planung. Die frühe Einbindung der Stadt Neustadt als Auftraggeber und technischer Planer zielte auf eine Verschlankung der Planungsprozesse und eine Vernetzung der Kompetenzen (technisch, pädagogisch, sportwissenschaftlich) ab, vermied Missverständnisse und Fehlplanungen und führte zu einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die wie selbstverständlich Synergien und Transparenz für die Ziele und Strategien aller Handelnden schuf. 

 

Zunächst zur pädagogischen Orientierung der Schule:

Die Ausrichtung an Potenzialen und Stärken der Lehrer/innen und der Schüler/innen führt zur handlungsorientierten Vermittlung von Kompetenzen im Lebensraum Schule und im kommunalen Kontext. Der Schwerpunkt des Schulprogramms und der pädagogischen Arbeit liegt auf der Priorisierung von Lern - Gelegenheiten zum selbsttätigen, eigenverantwortlichen Handeln in schulischen Zusammenhängen als Vorbereitung auf eigenständige Lebensführung nach der Schule. Deshalb ist Partizipation an der Gestaltung des Lern- und Lebensraums ein Prinzip der eigenen Schulentwicklung und ist selbstverständlich.

In einer Zeit der Transformation der Gesellschaft reicht es nicht aus, nur isoliert über die Veränderung der Lern- und Lebenswelt von Schüler*innen nachzudenken. Es ist notwendig eine radikale Neuausrichtung der schulischen und kommunalen Konzepte hin zu einem gemeinsamen strukturierten Handeln aller an Schule Beteiligten herzustellen. 

Der Paradigmenwechsel in der Pädagogik erfordert ein Umdenken in der Schulbauplanung, will man den Ansprüchen zu individueller Förderung und Herausforderung gerecht werden.

Diese grundlegenden Veränderungen führten zu neuen Überlegungen der pädagogischen Raumkonzeption der KGS Neustadt:

- Rhythmisierung des Unterrichts (Eigenlernzeit der Schüler*innen) - des Ganztags 

- aktivierende, zur Selbstverantwortung führende Lehr- und Lernformen

- Teamarbeit der Pädagogen

- interdisziplinäre Zusammenarbeit 

- weniger Belehrung sondern selbsttätiges, Neugier geleitetes Lernen

- Kompetenzorientierung (Können statt „Vorratswissen“)

- Inklusion und ein deutlicher Anstieg der Heterogenität in Schulklassen

- Schule als lernendes System.

 

Zur Position der Stadt Neustadt:

Im Blick auf den pädagogischen Paradigmenwechsel hat die Stadt Neustadt in Ganztagsschulen wirkungsvoll in der Verbindung von schulischem und außerschulischem Kontext Verantwortung übernommen, z.B. als Treffpunkt und sozialer Ort für Jugendliche und entlastet damit andere städtische Bereiche. Damit bekommt der Außenraum der KGS neben der ursprünglichen Aufgabe als Ausgleichs- und Bewegungsraum und dem neuen Aspekt als Lern- und Lebensraum eine zweite wichtige Bedeutung, die eines sozialen Raumes für unterschiedliche Akteure und Altersgruppen zur Freizeitgestaltung nach Schulschluss und in der unterrichtsfreien Zeit.

 

Ökologie, Kreativität, Bewegung und Selbsttätigkeit als Ziele der Freiraumplanung: 

Als praktisches Beispiel für die Vorüberlegungen stellen wir die Außenraumplanung  vom Leer – zum Lernraum skizzenhaft dar. Die Zielsetzung und Schwerpunktbildung der Außenraumplanung folgte der Vorstellung einer Rauminszenierung mit umfassender Anbindung an das Schulprogramm.  Die vier Schwerpunkte basieren auf unterrichtlichen Inhalten und aktueller baulicher Entwicklungen wie das Anlegen eines Klimawaldes (5000 Bäume in 2018), die Neuanlage eines Schulteiches (2019) und die Einbeziehung von Sportanlagen, Skater-Parcours sowie die Anlage von Skulpturenflächen und Außenbühnen für Kunst-, Theater- und Musikveranstaltungen.

 

Planung als umfangreicher Partizipationsprozess = zielführendes Beteiligungsmodell 

Zu Beginn der Planungsphase wurden die zentralen Zielsetzungen erarbeitet, die in der Planungsphase 1 strukturgebend waren:

- Lernen in Lebenszusammenhängen (Globale Zusammenhänge, Wechselbeziehungen, Komplexes Denken) 

- Gesundheit (Salutogenese: Verstehbarkeit, Machbarkeit, Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns)

- originale Begegnung mit dem Lebendigen

 

1. Planungsebene = Nutzerbedürfnisse:

Ermittlung konkreter Nutzerwünsche in Anlehnung an die pädagogischen Zielsetzungen durch Begehung des Geländes mit a. Kollegium und b. Schülern und c. Eltern auf der Grundlage von vorstrukturierten Teilräumen (hier: 19 Stationen). 

 

2. Planungsebene = Konzept der Raumgliederung:

Die nachfolgende Zusammenführung der Ergebnisse der Teilgruppen mit anschließender Auswertung und Gewichtung durch die Planungsgruppe führt zur Konkretisierung von pädagogischen Schwerpunktbildungen.

 

  • 1. Schritt Festlegung von vier Themenschwerpunkten im Außenraum - Ökologie – Bewegung – Kreativität und Selbsttätigkeit (informell)

 

  • 2. Schritt Zuordnung von unterrichtlichen Inhalten zu den drei Planungsteilräumen unter der Berücksichtigung von Möglichkeiten der Bildung für nachhaltige Entwicklung, formellen und informellen Lernens und anspruchsvoller Szenarien, die herausfordernde und soziale Interaktionen ermöglichen. 

 

3. Planungsebene:

Die Vielzahl und Vielfalt von pädagogischen Zielen und Ansprüchen erfordert eine Bündelung von Inhalten. Im Rahmen des kontinuierlichen Diskussionsprozesses mit der Schule und den Fachdiensten der Stadt Neustadt entstand ein konkreter Entwurfsplan, der schulische und kommunale Zielsetzungen verbindet. 

 

4. Planungsebene – Realisierung:

Folgende Schritte sind aktuell für die weitere Umsetzung in Planung:

- Kostenermittlung durch die Fachdienste

- Erarbeitung eines Stufenplans mit Priorisierungsräumen 

- Erwirkung der erforderlichen politischen und kommunalen Beschluss-fassungen

- Sponsorensuche

 

Am besten gemeinsam

Die KGS Neustadt bietet damit Leistungen für die Kommune an, die zu einer Aufwertung der Lebensqualität in Neustadt durch die genannten Angebote führen. Die Anpassung der Lernumgebung Schule an zeitgemäße Erfordernisse vernetzt Subsysteme und bietet informelle Lernmöglichkeiten über das schulische Lernen hinaus. Die KGS Neustadt übernimmt damit soziale Verantwortung für eine kommunale Bildungslandschaft und verbindet Bildungsangebote mit Nutzerinteressen. Das immanente Ziel Nachhaltigkeit von Lebensqualität in der Kommune durch konkrete Lebensraumangebote zu sichern, ist ein zusätzliches Angebot zur Identifizierung mit der eigenen Gemeinde. Und darüber hinaus: Lebensraum für alle an Nachmittagen, an Abenden, an Wochenenden und in den Ferienzeiten. Der Stundenplan einer Schule macht klar, dass es auch riesige Nutzungszeiten außerhalb des Unterrichts gibt: Unterrichtszeit und kommunale Zeit.

 

Fazit

Die bewusste Entscheidung für die „Planungsphase 0“ ist die Voraussetzung für das Gelingen einer nachhaltigen Planung. Dieses zielführende Beteiligungsmodell, das den Inhalt voranstellt und eine schnelle Umsetzung der Ideen in der Konkretisierungsphase mit Nutzern, Beteiligten und Experten anstrebt, ist für eine Bündelung von Kompetenzen besonders geeignet. Die Planungsphase 0 ermöglicht erst gemeinsame Haltungen zu entwickeln und in diesem Fall Schule neu zu sehen- auch als Lebens-Ort für alle Bürger. 

 

Mehr zum Thema Schulhofgestaltung

image

Schulhofgestaltung

Dänische Studie zu Bewegung bei Kindern - Schulhofsanierung mit überraschenden Folgen

Trampoline, Hindernisparcours, Skate-Park: Für eine Studie wurden die Pausenhöfe einer dänischen Schule attraktiver gemacht. Das erfreuliche Ergebnis: Nicht nur das Bewegungs-, sondern auch das Sozialverhalten hat sich positiv verändert.

image

Schulhofgestaltung

Spiel und Sport in den Freianlagen der Mahlsdorfer Grundschule

Besucher spüren kaum, dass sie sich in Berlin befinden, wenn sie sich durch das eher kleinstädtisch und durch viele Einfamilienhäuser geprägte grüne Viertel im Norden von Mahlsdorf dem weitläufigen Schulgelände nähern. Und dabei ist Mahlsdorf nur wenige...

image

Schulhofgestaltung

73 bewegungsfreundliche Pausenhöfe wurden in Niederösterreich neugestaltet

In den letzten vier Jahren wurden im Rahmen der niederösterreichischen Förderaktion „Schulhöfe und Spielplätze in Bewegung“ 73 Schulfreiräume neugestaltet. Ziel der Initiative war es...

image

Schulhofgestaltung

Schul(T)räume und Pausen(T)räume - Mitreden, mitbestimmen, mitgestalten, mitbauen

Die Schule Wauwil im Kanton Luzern hat einen neuen Pausenplatz gebaut und ihr Schulhaus um einen Anbau erweitert. Schülerinnen und Schüler wurden von der Planung bis zur Umsetzung eng in diesen Umgestaltungsprozess miteinbezogen.

image

Schulhofgestaltung

Burgschule Nieder-Olm: neugestalteter Schulhof mit Spielburg und anderen tollen Spielgeräten

Wie kommt die Burgschule zu ihrem Namen, obwohl weit und breit keine Burg vorhanden ist? Diese Frage stellte sich die Landschaftsarchitektin Verena Dörhöfer, als sie den Planungsauftrag zur Neugestaltung des Schulhofes...